150 Neunundzwanzigſtes Kapitel.
Frau am häufigſten vor ſich vorübergehen ließ, während ſie von Jahr zu Jahr immer in demſelben düſteren Zimmer ſaß, wußte Niemand als ſie ſelbſt. Mr. Flintwinch würde, da ſeine Gegenwart täglich wie eine excentriſche mechaniſche Kraft auf ſie wirkte, es ihr vielleicht abgedrückt haben, wenn weni⸗ ger Widerſtandskraft in ihr geweſen wäre, aber ſie war zu ſtark für ihn. Was Mrs. Affery betrifft, ſo war es Beſchäf⸗ tigung genug für ſie, ihren Eheherrn und ihre gichtbrüchige Herrin mit einem Geſichte voll nichtsſagender Verwunderung anzuſtarren, im Hauſe nach Dunkelwerden mit ihrer Schürze über dem Kopfe herumzugehen, ſtets nach dem ſeltſamen Ge⸗ räuſche zu lauſchen und bisweilen es zu hören und nie aus ihrem geiſterſeheriſchen, träumeriſchen, ſchlafwachen Zuſtande aufzuwachen.
Es wurden ſehr gute Geſchäfte gemacht, wie Mrs. Affery gewahr wurde; denn ihr Gatte war überaus beſchäftigt in ſeinem kleinen Comptoir und ſah mehr Leute bei ſich, als ſonſt viele Jahre gekommen waren. Dies konnte leicht ſein, da das Haus lange ganz verlaſſen geweſen war; aber er empfing Briefe und Beſuche, hielt Buch und correſpondirte. Außer⸗ dem ging er in andere Comptoire und nach den Werften und Docks und nach dem Zollhauſe und nach Garraways Kaffee⸗
hauſe und dem Jeruſalemer Kaffeehauſe und auf die Börſe,
ſodaß er viel ein⸗ und ausging. Außerdem begann er bis⸗ weilen des Abends, wo Mrs. Clennam gerade kein beſonde⸗ res Verlangen nach ſeiner Geſellſchaft ausſprach, ſich in ein Gaſthaus der Nachbarſchaft zu begeben, um in der Abend⸗
—


