Teil eines Werkes 
4. Th. (1856)
Entstehung
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Mrs. Flintwinch fährt fort zu träumen. 149

liche Frau in ihm fuhr in derſelben wechſelloſen Weiſe fort zu leben. Morgen, Mittag und Nacht, Morgen, Mittag und Nacht kehrten Jedes mit der ihnen anhaftenden Eintönigkeit wieder, ſtets war es dieſelbe widerwillige Rückkehr derſelben Aufeinanderfolge von mechaniſchen Vorgängen, wie in einem langſam hinſchleichenden Uhrwerk.

Man kann ſich denken, daß der Rollſtuhl ſeine Erinne⸗ rungen und Träumereien hatte, wie ſie jeder Ort hat, der zum Standorte menſchlicher Weſen gemacht iſt. Bilder von niedergeriſſenen Straßen und umgebauten Häuſern, wie ſie früher waren, als die, welche den Stuhl inne hatte, mit ihnen wohl bekannt war; Bilder von Leuten, ebenfalls wie ſie einſt geweſen, mit geringen oder gar keinen Zugeſtänd⸗ niſſen an den Verlauf der Zeit, in welcher ſie zum letzten Male geſehen worden, von Dieſen müſſen in der langen Reihenfolge düſterer Tage viele erſchienen ſein. Die Uhr des geſchäftigen Daſeins ſtill ſtehen zu laſſen zu der Stunde, in der man ſelbſt von ihr getrennt wurde; zu glauben, daß die ganze Menſchheit die Bewegung verloren habe, wenn wir zum Stillſtande gebracht worden ſind; unfähig zu ſein, die außer unſerem Geſichtskreis liegenden Veränderungen nach einem größeren Maße, als dem zuſammengeſchrumpften unſrer eige⸗ nen einförmigen und beſchränkten Exiſtenz zu meſſen, das iſt die Schwäche mancher Gebrechlichen und die geiſtige Unge⸗ ſundheit beinahe Aller, welche in einſamer Klauſe zu leben genöthigt ſind.

Was für Scenen und handelnde Perſonen die ſtrenge

Klein Dorrit. IV. 11