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Eine Räthſelfrage. 155
zeigte das gute Weib nach dem kleinen Fenſter, wo man ihren Sohn troſtlos in dem geſangloſen Wäldchen ſitzen ſehen konnte, und ſchüttelte abermals den Kopf und wiſchte ſich die Augen und bat ihn flehentlich, doch ja zum Beſten der beiden jungen Leute ſeinen Einfluß anzuwenden, um dieſe traurigen Ereigniſſe zu einem fröhlichen Ende zu bringen.
Sie war ſo zuverſichtlich in der Auseinanderſetzung der Angelegenheit, und dieſelbe war ſo unläugbar auf richtige Vorausſetzungen begründet, ſo weit die Beziehungen Klein Dorrit's zu ihrer Familie in Betracht kamen, daß Clennam auf der andern Seite ſeiner Sache nicht gewiß war. Er war dahin gekommen, daß ihn an Klein Dorrit ein ſo ei⸗ genthümliches Intereſſe knüpfte— ein Intereſſe, welches, während es aus den gemeinen und rohen Dingen, die ſie umgaben, hervorwuchs, ſie über dieſelben erhob— daß er ſich unangenehm, faſt ſchmerzlich enttäuſcht fand, von ihr annehmen zu ſollen, daß ſie zu dem jungen Mr. Chivery im Hinterhofe oder irgend einer derartigen Perſon Liebe hegen könnte. Andererſeits warf er ſich ein, daß ſie ebenſo gut und ebenſo treu ſein würde, ob ſie ihn liebe oder nicht liebe, und daß es nur eine Schwäche ſeiner eignen Einbildung und eben keine freundſchaftliche ſein würde, wenn er ſie durch Trennung ihres Herzens von dem einzigen Menſchen, den ſie kannte, zu einer Art gezähmter Fee machen wollte. Dennoch ließen ſich ihr jugendliches und ätheriſches Aeußere, ihr ſchüchternes Weſen, der Zauber ihrer gefühlvollen Stimme und ihrer Augen, die vielfachen Beziehungen, in


