Teil eines Werkes 
2. Th. (1856)
Entstehung
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156 Vierzehntes Kapitel.

Sie hielt unter ſeinem aufmerkſamen Blicke ein Weil⸗ chen inne, dann ſagte ſie:Hoffentlich iſt nichts Unrechtes dabei. Ich hätte nie den geringſten Nutzen ſtiften können, wenn ich mir nicht eine kleine Nothlüge geſtattet hätte.

Sie fürchtete, daß er ſie in ſeinem Innern tadeln möchte, daß ſie einen ſolchen Kunſtgriff gebraucht, um für ſie zu ſor⸗ gen, ihrer zu gedenken und über ſie zu wachen, ohne ihr Wiſſen und ihren Dank, vielleicht ſogar mit ihren Vor⸗ würfen wegen vermeintlicher Vernachläſſigung. Was aber wirklich ſein Inneres bewegte, war die ſchwache Geſtalt mit ihren ſtarken Vorſätzen, die dünnen abgetragenen Schuhe, die unzureichende Kleidung und der Vorwand, ſich erholen und vergnügen zu wollen. Er fragte, wo die angebliche Abendgeſellſchaft wäre? An einem Orte, wo ſie arbeitete, antwortete Klein Dorrit erröthend. Sie hätte, ſagte ſie, nur wenig davon geſprochen, nur ein paar Worte, um ihren Vater zu beruhigen. Ihr Vater habe nicht geglaubt, daß es eine glänzende Abendgeſellſchaft ſei in der That, er hätte ſich das denken können. Und ſie blickte einen Augen⸗ blick auf das Umſchlagetuch, das ſie trug.

Es iſt die erſte Nacht, daß ich je von Hauſe weggewe⸗ ſen bin, ſagte Klein Dorrit.Und London ſieht ſo groß, ſo öde und ſo wirr aus. In Klein Dorrit's Augen war ſeine Größe unter dem ſchwarzen Himmel grauenvoll; ein Zittern überlief ſie, als ſie die Worte ſagte.

Aber das iſt's nicht, fügte ſie wieder mit der ruhigen Selbſtüberwindung hinzu,womit ich Sie zu beläſtigen ge⸗