154 Vierzehntes Kapitel. nun und nimmer ermeſſen kann, wie ich ſeine Güte fühle, und wie ſie mein guter Vater fühlen würde. Und was ich ſagen wollte, Sir, iſt, daß ich ihm, wofern ich ihn kennte— und ich könnte ihn kennen— aber ich kenne ihn nicht und darf nicht— ich weiß das!— daß ich ihm dann ſagen würde, wie ich mich nicht mehr zum Schlafe niederlegen werde, ohne den Himmel gebeten zu haben, ihn zu ſegnen und es ihm zu vergelten. Und wenn ich ihn kennte— und ich könnte ihn kennen— ſo würde ich vor ihm auf meine Knie fallen und ſeine Hand ergreifen und ſie küſſen, und ihn bitten, ſie nicht wegzuziehen, ſondern mir zu laſſen— o ſie mir einen Augenblick zu laſſen!— und meine dankbaren Thränen darauf fallen laſſen; denn ich habe keinen andern Dank für ihn.“.
Klein Dorrit hatte ſeine Hand an ihre Lippen gezogen und würde vor ihm niedergekniet ſein; aber er hielt ſie ſanft davon ab und ſetzte ſie wieder in ihren Stuhl. Ihre Augen und der Ton ihrer Stimme hatten ihm weit beſſer gedankt als ſie dachte. Er war nicht im Stande ganz ſo gefaßt wie gewöhnlich zu ſagen:„Schon gut, Klein Dorrit, ſchon gut, ſchon gut! Wir wollen annehmen, Sie kennten den Mann und könnten alles dies thun und hätten alles dies gethan. Und nun ſagen Sie mir, der ich ein ganz Anderer bin— der ich weiter nichts bin, als der Freund, der Sie bat, ihm zu vertrauen— warum ſind Sie zur Mitternachtsſtunde aus, und was iſt'’s, das Sie zu dieſer ſpäten Stunde ſo weit durch die Straßen hierher bringt, mein zartes, ſchwa⸗


