146 Dreizehntes Kapitel.
Erinnerung hatte ſich erſt dieſen Tag als eine Thorheit er⸗ wieſen.
Es war dies ein Unglück für ihn, ſo unbedeutſam es auch für einen andern geweſen ſein möchte. Denn während alles, was hart und ſtreng in ſeiner Erinnerung war, bei der Prüfung Wirklichkeit blieb, feſt und ſtarr war, wenn er hinblickte oder es berührte und in nichts ſeine alte unab⸗ änderliche grimme Unerbittlichkeit milderte— wollte die einzige zarte Erinnerung aus ſeinen Erfahrungen dieſen Prüfſtein nicht ertragen und zerfloß in Nichts. Er hatte dies in der frühern Nacht vorausgeſehen, wo er mit wachen Augen geträumt hatte. Aber er hatte es damals noch nicht empfunden, und hatte es jetzt empfunden.
Er war ein Träumer in dieſer Weiſe, weil er ein Mann war, in deſſen Natur der Glaube an alle die guten und menſchenfreundlichen Dinge, ohne die ſein Leben geweſen, feſte Wurzeln geſchlagen hatte. Erzogen in Niederträchtig⸗ keit und kargem Geizen, war er dadurch gerettet und zu einem Manne von ehrenhafter Geſinnung und freigebiger Hand geworden. Erzogen in Kälte und Strenge, war er. dadurch gerettet und ein warmfühlendes barmherziges Ge⸗ müth geworden. Erzogen in einem Glauben, der zu finſter war und zuviel Kühnheit erforderte, um ſich in ſeinem Pro⸗ ceß der Verkehrung des Spruchs, wonach der Menſch nach dem Bilde ſeines Schöpfers geſchaffen iſt, in die Einbil⸗ dung, daß ſein Schöpfer nach dem Bilde eines irrenden Menſchen geſchaffen ſei, von ihm verfolgen zu laſſen, war


