Neuntes Kapitel.
Wenn je Stolz unſchuldig war, ſo war er unſchuldig in
Klein Dorrit, als ſie anfing ſich ihres Vaters zu rühmen. 4 „Man hört oft ſagen, daß ſeine Manieren die eines ech⸗
ten Mannes von Erziehung ſind, und daß man von ihnen
geradezu lernen kann. Ich ſehe an jenem Orte keine der Art,
ſondern man geſteht zu, daß er alle überragt. Das iſt ebenſo
ſehr der Grund, weshalb ſie ihm Geſchenke machen, als weil
ſie wiſſen, daß er in Noth iſt. Er iſt nicht zu tadeln ſeiner Ar⸗
muth halber, der arme liebe Vater. Wer könnte ſich wohl befin⸗ den, wenn er ein halbes Jahrhundert im Gefängniſſe geſeſſen
hat?“
Welche Kindesliebe war in ihren Worten, welches Mit⸗
leid in ihren unterdrückten Thränen, welche große treue Seele
in ihrem Innern, wie wahr das Licht, welches einen falſchen Glanz um ihn ausgoß. „Wenn ich es für das Beſte hielt, zu verbergen, wo meine G Heimat iſt, ſo geſchah es nicht, weil ich mich ſeiner ſchäme. p
Verhüte Gott! Noch ſchäme ich mich des Ortes ſo ſehr, als man vielleicht vermuthet. Die Leute ſind nicht ſchlecht, weil ſie dorthin kommen. Ich habe viele gute, arbeitſame, recht⸗ ſchaffene Menſchen kennen gelernt, die durch Unglück dahin ka⸗ men. Sie ſind faſt alle voll herzlicher Freundſchaft gegen ein⸗ ander. Und es würde von mir wirklich undankbar ſein, wollte ich vergeſſen, daß ich manche ruhige, behagliche Stunde dort verlebt, daß ich dort, als ich noch ein ganz kleines Kind war,
einen vortrefflichen Freund gehabt habe, der mich ſehr liebte, daß ich dort unterrichtet worden bin, dort gearbeitet und dort


