Teil eines Werkes 
2. Th. (1856)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Mütterchen. 15

und ich fand ſpäter, daß Sie ſo großmüthig gegen meinen Vater geweſen waren, daß ich Ihrer Botſchaft nicht wider⸗ ſtehen konnte, wäre es auch nur, um Ihnen zu danken; be⸗ ſonders, da ich den lebhaften Wunſch hegte, Ihnen zu ſagen ſie zögerte und zitterte, und Thränen ſtiegen ihr in die Augen, fielen aber nicht.

Um mir zu ſagen?

Daß ich hoffe, Sie werden meinen Vater nicht mißver⸗ ſtehen. Beurtheilen Sie ihn nicht, Sir, wie Sie Andere außerhalb der Gefängnißthore beurtheilen würden. Er iſt ſo lange dort geweſen! Ich habe ihn nie draußen geſehen, aber ich kann begreifen, daß er ſeitdem in manchen Dingen anders geworden iſt.

Glauben Sie mir, meine Gedanken werden nie unge⸗ recht oder unbillig gegen ihn ſein.

Nicht etwa, ſagte ſie, mit zuverſichtlicherer Geberde, da augenſcheinlich die Befürchtung ſie beſchlich, daß es ſcheinen möchte, als gäbe ſie ihn aufnicht, daß er etwas an ſich hätte, deſſen er ſich ſchämen müßte, oder daß ich Urſache hätte, mich ſeiner zu ſchämen. Er muß nur verſtanden wer⸗

den. Ich bitte in Betreff ſeiner nur, daß man ſich billiger⸗

weiſe ſeines Lebens erinnere. Alles, was er ſagte, war voll⸗ ſtändig wahr. Es geſchah Alles ſo, wie er es erzählte. Er iſt ſehr geachtet. Jedermann, der hereinkommt, freut ſich ſeine Bekanntſchaft zu machen. Man erweiſt ihm mehr Aufmerk⸗ ſamkeit, als irgend jemand anders. Man hält viel mehr von ihm, als vom Marſhal.