Sonne und Schatten. 5
nirgends. In weiter Ferne blickte die Landſtraße mit tiefem Staube bedeckt grell und ſtarr von den Berglehnen, grell und ſtarr aus den Schluchten, grell und ſtarr von der end⸗ loſen Ebene her. In weiter Ferne hingen die beſtäubten Reben, welche Hütten am Wege überſpannen, und die ein⸗ tönigen Alleen verſengter Bäume ohne Schatten, welche die Straße beſäumten, unter dem grellen und ſtarren Blicke von Erde und Himmel traurig die Köpfe. Daſſelbe thaten die Pferde, die behangen mit ſchläfrig klingenden Schellen in langen Reihen von Frachtwagen langſam nach dem Binnen⸗ lande zu ſchlichen; daſſelbe ihre in die Schoßkelle gelager⸗ ten Fuhrleute, wofern ſie wach waren, was ſelten der Fall war; daſſelbe die erſchöpften Arbeiter auf den Feldern. Alles was lebte und webte, war niedergedrückt von dem glü⸗ henden Sonnenſchein, ausgenommen die Eidechſe, die flink über rauhe Steinmauern hinhuſchte, und die Grille, die aus heißer Kehle ihr trocknes Gezirp wie eine Klapper hören ließ. Selbſt der Staub war braun gebrannt, und es war ein Zit⸗ tern in der Atmoſphäre, als ob ſogar die Luft vor Hitze ächze. 8
Rouleaux, Sommerläden, Vorhänge, Marquiſen waren alle geſchloſſen und herabgezogen, um den grellen ſtarren Sonnenblick abzuhalten. Erlaubte man ihm auch nur eine Ritze oder ein Schlüſſelloch, auf der Stelle war er drinnen wie ein weißglühender Pfeil. Die Kirchen waren von ihm noch am meiſten befreit. Aus der Dämmerung ihrer Pfeiler und Bogengänge, in denen träumeriſche Lampen gau⸗


