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4. Erſtes Kapitel.
den ſenkten. Dieſe nickten allerdings gelegentlich ein wenig, aber nur ein ganz klein wenig, da die heiße Luft ihre ſchlaff. herabhängenden Blätter kaum bewegte.
Kein Windhauch war zu ſpüren, der das trübe Waſſer im Hafen oder auf der ſchönen klaren See draußen gekräuſelt hätte. Die Grenzlinie zwiſchen den beiden Farben, Schwarz und Blau, zeigte den Punkt, welchen die reine See nicht überſchreiten wollte, aber ſie lag ſo ruhig wie der abſcheu⸗ liche Pfuhl, mit dem ſie ſich nie vermiſchte. Boote ohne Sonnenzelte waren zu heiß zum Anfaſſen. Schiffe be⸗ deckten ſich an ihren Hafenankern mit Hitzblaſen. Die Steine an den Quais hatten ſich Monate lang Tag und Nacht nicht abgekühlt. Hindus, Ruſſen, Chineſen, Spa⸗ nier, Porkugieſen, Engländer, Franzoſen, Genueſen, Nea⸗ politaner, Venetianer, Griechen, Türken, Abkömmlinge von allen möglichen Leuten, die am Babelthurme bauen gehol⸗ fen, ſuchten, nach Marſeille in Geſchaͤften gekommen, mit gleicher Eile den Schatten auf, indem ſie ſich in jedes Ver⸗ ſteck flüchteten, das Schutz verſprach vor einer See, zu tief blau, um das Anſchauen zu geſtatten, und vor einem Pur⸗ purhimmel, der mit einem einzigen großen feurig flammen⸗ den Juwel beſetzt war.
Der grelle ſtarre Blick, der einem überall begegnete, machte Augenſchmerzen. Nach dem fernen Strande der ita⸗ lieniſchen Küſte hin allerdings wurde er ein wenig durch leichte Nebelwolken gemildert, welche langſam von der Aus⸗ dünſtung der See aufſtiegen; ſonſt aber milderte er ſich


