6 Erſtes Kapitel.
kelten und ein träumeriſches Volk garſtiger alter Schatten andächtig nickte, ſpukte und bettelte, heraustreten, hieß in einen Feuerſtrom hineinplumpen und in Todesangſt nach dem nächſten beſten Streifen Schattens ſchwimmen. In dieſer Art, wo jedes ſchattige Plätzchen mit hingelagerten Faullenzern beſetzt, wo nur wenig Stimmengeſumm und Hundegebell zu hören war, wo gelegentlich mißgeſtimmte Kirchenglocken bimmelten und gottloſe Trommeln dazwiſchen raſſelten, lag Marſeille an jenem Tage förmlich bratend in der Sonne— eine Thatſache, die deutlich zu riechen und zu ſchmecken war.
In Marſeille warzu jener Zeit ein abſcheuliches Gefängniß. In einer ſeiner Zellen, einem Raume ſo abſtoßend, daß ſelbſt jener grelle ſtarre Sonnenblick mit ſeiner Zudringlichkeit da⸗ vor die Augen ſchloß und ihm nur ſo viel von ſeinem zu⸗ rückprallenden Lichte ließ, als es ſich ſelbſt anzueignen im Stande war, befanden ſich zwei Männer. Außer den beiden Männern waren darin eine vielzerſchnitzelte, krüppelhafte Bank, die an die Wand feſtgemacht war und auf welche eins mit einem Meſſer ein rohes Damenbret eingekratzt hatte, ein Damenſpiel, gemacht aus alten Knöpfen und Suppen⸗ knochen, eine Paktie Dominoſteine, zwei Matten und zwei oder drei Weinflaſchen. Das war Alles, was das Zim⸗ mer enthielt, mit Ausnahme der Ratten und andern unſicht⸗ baren Ungeziefers ſowie des ſichtbaren Ungeziefers, der bei⸗ den Menſchen.
Das Licht, welches es überhaupt bekam, empfing es
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