Druckschrift 
Leben und Abenteuer des Capitäns Singleton / von Verf. des "Robinson Crusoe". Aus d. Engl. von Carl Kolb
Entstehung
Einzelbild herunterladen

492 G⸗

eine ganz eigenthümliche; denn ob ich gleich Geld in Menge

beſaß, ſo fehlte es mir doch außer William gänzlich an

einem Freunde in der Welt, der mich hätte aufrichten und

erheitern können; auch wußte ich nicht, wem ich dieſe Gel⸗

der zu meinen Lebzeiten anvertrauen, oder wem ich ſie nach 22

meinem Tode hinterlaſſen ſollte. Wenn ich über die Art, wie ich ſie erworben, nach⸗

dachte, ſo kam mir manchmal der Einfall, ich ſollte ſie alle

zu wohlthätigen Zwecken verwenden, um dadurch meine

Schuld gegen die Menſchheit abzutragen, obgleich ich nicht

der Meinung war, ich könnte meiner Seele dadurch Ruhe er⸗

kaufen; allein ich dachte, da ich es durch Raub im allgemeinen

erworben, wofür ich den einzelnen dadurch Benachtheiligten

keine Genugthuung geben könne, ſo ſei ich verpflichtet, es

wieder zum allgemeinen Beſten zu verwenden. Nur war

ich immer in Verlegenheit, wie, wo und durch wen ich dieſe

Stiftung gründen ſollte, da ich es nicht wagte, in mein

Vaterland zurückzukehren, aus Furcht, einige meiner Kame⸗

raden, die ſich ebenfalls wieder in die Heimath verirrt hät⸗

ten, möchten mich ſehen, entdecken und aus Lüſternheit nach 4

meinem Gelde, oder um ſich Verzeihung auszuwirken, mich

verrathen, ſo daß es ein ſchmähliches Ende mit mir nehmen

könnte. Daher wählte ich Williams Schweſter zum Ziel

meiner Wohlthätigkeit. Ihr zärtliches Benehmen gegen

ihren Bruder, als ſie ihn in der Noth glaubte, war mir