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eine ganz eigenthümliche; denn ob ich gleich Geld in Menge
beſaß, ſo fehlte es mir doch außer William gänzlich an
einem Freunde in der Welt, der mich hätte aufrichten und
erheitern können; auch wußte ich nicht, wem ich dieſe Gel⸗
der zu meinen Lebzeiten anvertrauen, oder wem ich ſie nach 22
meinem Tode hinterlaſſen ſollte. Wenn ich über die Art, wie ich ſie erworben, nach⸗
dachte, ſo kam mir manchmal der Einfall, ich ſollte ſie alle
zu wohlthätigen Zwecken verwenden, um dadurch meine
Schuld gegen die Menſchheit abzutragen, obgleich ich nicht
der Meinung war, ich könnte meiner Seele dadurch Ruhe er⸗
kaufen; allein ich dachte, da ich es durch Raub im allgemeinen
erworben, wofür ich den einzelnen dadurch Benachtheiligten
keine Genugthuung geben könne, ſo ſei ich verpflichtet, es
wieder zum allgemeinen Beſten zu verwenden. Nur war
ich immer in Verlegenheit, wie, wo und durch wen ich dieſe
Stiftung gründen ſollte, da ich es nicht wagte, in mein
Vaterland zurückzukehren, aus Furcht, einige meiner Kame⸗
raden, die ſich ebenfalls wieder in die Heimath verirrt hät⸗
ten, möchten mich ſehen, entdecken und aus Lüſternheit nach 4
meinem Gelde, oder um ſich Verzeihung auszuwirken, mich
verrathen, ſo daß es ein ſchmähliches Ende mit mir nehmen
könnte. Daher wählte ich Williams Schweſter zum Ziel
meiner Wohlthätigkeit. Ihr zärtliches Benehmen gegen
ihren Bruder, als ſie ihn in der Noth glaubte, war mir


