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welchen Schrecken wohl die nachläßige Dirne, die mich ver⸗ loren, gerathen war, welche Behandlung ihr von dem ge⸗ rechten Zorne meiner Eltern zu Theil wurde, und welches Entſetzen die Gemüther der letzteren bei dem Gedanken erfüllte, ihr Kind in dieſer Weiſe entführt zu wiſſen; denn ich habe, wie bereits erwähnt, nie erfahren, wer meine Eltern waren, und es wäre daher eine nutzloſe Abſchweifung, wenn ich hier davon reden wollte.
Es begab ſich indeß, daß meine gute Zigeunermutter— ohne Zweifel um einiger ihrer wackeren Handlungen willen— im Laufe der Zeit gehängt wurde, und da ſich dieſer Vorfall in einer Periode ereignete, wo ich noch nicht ganz in das Landſtreichergewerbe eingeweiht war, ſo übernahm natürlich das Kirchſpiel, in welchem ſich dieſe Kataſtrophe zutrug, deſſen Namens ich mich jedoch um's Leben nicht entſinnen könnte, meine Verpflegung. Meine früheſten Rückerinnerun⸗ gen beſchränken ſich darauf, daß ich in eine Kirchſpielſchule
ging, und daß der Geiſtliche des Ortes mir zu ſagen pflegte,
ich ſolle nur ein gutes Kind werden; denn wenn ich auch ein armer Knabe ſei, ſo könne ich doch einmal mein Glück
machen, wenn ich meinen Katechismus fleißig lerne und
Gott fürchte. 1
Ich glaube, ich wurde etlichemale von einer Stadt zur andern transportirt— vielleicht weil die Kirchſpiele den letzten Aufenthalt meiner muthmaßlichen Mutter beſtritten;


