— 126— 9— Jüngling gab ihr durch einen Blick zu verſtehen, daß
Warnungen bei ihm Beachtung finden würden, und als er beim Fortgehen an Mr. Redlaw vorbeikam, verbeugte er ſich mit
Achtung und offenbarer Theilnahme vor ihm.
Mr. Redlaw erwiederte den Gruß höflich und ſah dem Jüng⸗ ling nach; dann ließ er den Kopf auf die Hand ſinken, als ob er ſich auf etwas, was ihm entſchwunden war, beſinne, aber es kam nicht wieder.
Die dauernde Veränderung, die ſeit den erweichenden Klän⸗ gen der nächtlichen Muſik und dem Wiedererſcheinen des Geiſtes in ihm vorgegangen war, beſtand darin, daß er jetzt wahrhaft fühlte, wie viel er verloren hatte, daß er jetzt ſeine eigene Lage bemitleiden und ſie mit dem natürlichen Zuſtande der Perſonen ſeiner Umgebung vergleichen konnte. Daraus entſtand eine neue
Theilnahme an den ihm bekannten Menſchen und ein beſchei⸗
denes, ergebungsvolles Gefühl ſeines Unglücks, dem ähnlich, das manchmal dem Alter eigen iſt, wenn ſeine geiſtigen Kräfte geſchwächt ſind, ohne daß zu der langen Reihe ſeiner Schwächen Gefühlloſigkeit oder mürriſches Weſen kommt. 5
Er fühlte auch, daß, je mehr er durch Milly von dem Scha⸗ 2
den, den er angerichtet, wieder gut machte und je mehr er mit
ihr zuſammen war, deſto vollſtändiger auch dieſe Veränderung
wurde. Deshalb und in Folge der Zuneigung, welche ſie ihm einflößte, die aber von keiner andern Hoffnung begleitet war, fühlte er, daß er ganz abhängig von ihr und daß ſie ihm die einzige Stütze in ſeinem Leiden ſei.


