— 143—
warmer Sommermorgen, und die Sonne ſcheint auf ſie herab, wie ſie dem immer dichter werdenden Nebel entgegengehen, der ſich über die Stadt ausbreitet. Reiche Schätze werden in dem Laden ausgeſtellt; Juwelen, Gold und Silber blitzen in den hellen Fenſtern der Goldſchmiede, und hohe Häuſer werfen einen ernſten Schatten auf ſie, wie ſie vorbeigehen. Aber durch das Licht und durch den Schatten gehen ſie einträchtig weiter, alles ver⸗ geſſend, was ſie umgiebt, und an keine andern Schätze und keine ſtolzere Heimath denkend, als die in ihren vereinten Herzen.
Allmählig gelangen ſie in die dunklern, engeren Straßen, wo die Sonne manchmal gelb und dann roth nur an den Straßen⸗ ecken durch den Nebel geſehen wird, oder auf kleinen Plätzen, wo ein Baum ſteht, oder eine von den unzähligen Kirchen, oder ein mit Steinplatten belegter Weg und eine Treppe ſich befindet, oder ein kleines Gärtchen oder ein Gottesacker, wo die ewigen Gräber und Leichenſteine faſt ſchwarz ſind. Durch alle die engen Höfe und Gäßchen und ſchattigen Straßen geht Florentine liebend und vertrauend an ſeinem Arme, um ſeine Gattin zu werden.
Ihr Herz klopft jetzt raſcher, denn Walter ſagt ihr, daß die Kirche ganz nahe ſei. Sie gehen an ein paar großen Spei⸗ chern vorbei wo Wagen vor der Thür ſtehen und geſchäftige Kär⸗ ner die Straßen verſperren— aber Florentine hört und ſieht ſie nicht— und dann iſt die Luft ruhig und das Tageslicht ver⸗ düſtert und ſie ſteht zitternd in einer Kirche, wo ein dumpfiger Geruch herrſcht, wie in einem Keller.


