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28. Monza.
Chriſtine beeilte ſich, dem Befehl des Marquis Folge zu leiſten. Sie erwartete, fortgeſchickt zu werden und ließ nicht einmal die Vermuthung aufkommen, er könnte ſie ſeiner Frau gegenüber vertheidigen. Sie nahm daher zum Voraus ihr kälteſtes, ſtolzeſtes und würdevollſtes Weſen an und begab ſich an den Ort, an den ſie beru⸗ fen worden war. Als Amadee ſie anſichtig ward, er⸗ blaßte er; er verſpürte jene ſeltſame, ihm unbekannte Regung, die man in den Zeiten der Unwiſſenheit für eine teufliſche Beſtrickung gehalten hätte.
Wollen Sie ſich gefälligſt ſetzen, Fräulein, und mir einen Augenblick zuhoͤren.
Sie verbeugte ſich ſchweigend und nahm einen Stuhl.
Frau von Monza hat heute Nacht eine etwas hef⸗ tige Unterredung mit Ihnen gehabt, nicht wahr? Ich bitte Sie, nicht länger daran zu denken, ich habe das Alles beigelegt. Es iſt ausgemacht, daß Sie uns nicht verlaſſen, wenn Sie uns dieſe Gefälligkeit erweiſen wollen. Wir ſind im Gegentheil entſchloſſen, Sie zu bitten, Sie möchten Ihren Aufenthalt bei uns auf längere Zeit ausdehnen und ſich vertraulich an uns anſchließen. Die Marquiſe wünſcht, die Sorgen ihres Hausweſens und Alles, was Flavia betrifft, auf Sie übertragen zu kön⸗ nen; 4 es Ihnen genehm, ſich vollſtändig damit zu be⸗ faſſen?
Obwohl Chriſtine auf Alles gefaßt war, war ſie doch ſo weit entfernt, eine ſolche Sprache zu erwarten, daß ſie einige Augenblicke ganz betroffen war. Raſch wie der Blitz bekam jedoch ihre gewöhnliche Geiſtesge⸗ genwart wieder die Oberhand.
Die Frau Marquiſe und Sie erweiſen mir zu viel Ehre, mein Herr; ich kann mich auf keine andere Weiſe


