und Böſen? Wo iſt Deine Gerechtigkeit? Wo ſind die Belohnungen und Strafen? Fortgejagt, ich fortgejagt!
Und dieſes ſeltſame Geſchöpf, das in einer andern Lage eine ſo ausgezeichnete Frau geworden wäre, brachte den übrigen Theil der Nacht im Gebete zu, indem ſie ſtatt der Menſchen, die ſie verkannten, Gott zu ihrem Vertrauten und Freunde machte.
In eben dieſer Nacht, deren Folgen ſo furchtbar ſein ſollten, legte ſich auch der Marquis nicht nieder. Zwanzig Mal durchging er die Unterredung, die er mit ihr gehabt hatte, erwog die geringſten Worte derſelben und prägte ſie ſich mit unauslöſchlichen Zügen in's Ge⸗ dächtniß ein. Er ſah dieſe Frau wieder, deren Schön⸗ heit einen Stein hätte beleben können; er ſah ſie, nicht mehr kalt, unſchuldig, unnahbar, in ihre Keuſchheit wie in ein Sargtuch gehuͤllt, in welchem ſich ihre Reize und ihre Jugend begruben; er ſah ſie liebend, leidenſchaft⸗ lich, ſchwach, ſtrafbar, und dieſes ohne ſein Vorwiſſen in der Tiefe ſeines Herzens verborgene Bild zerriß den Schleier und bemächtigte ſich ſeines ganzen Herzens; von der Hoffnung geleitet, vertrieb es Alles daraus, was nicht es ſelbſt war. In dieſer einzigen Nacht wurde dieſe Liebe beinahe Amadee's einziger Gedanke, der ein⸗ zige Zweck ſeines Daſeins. Chriſtine beſitzen, von ihr geliebt werden, ſie dazu bringen, daß ſie jenen Mann vergaß, bei deſſen bloßer Erinnerung ihm das Blut in den Adern kochte, ein anderes Glück und einen andern Erfolg, als dieſen, kannte der Marquis nicht mehr.
Wenn ſolch eine plötzliche Liebe ſich einer ſchwachen Natur bemächtigt, wird ſie zum unerbittlichen Tyrannen. Sie iſt ein Ausſatz, den Nichts heilt, und je mehr Schmerzen er verurſacht, deſto unheilbarer bleibt er.
Der erſte Gedanke des jungen Mannes war, Chri⸗ ſtine von ihrem Verfolger zu befreien.
Einige Zeilen werden hinreichend ſein, ſagte er zu ſich. Wenn er weiß, daß ich von der Sache unterrichtet bin, wird er meinem Verlangen nicht Widerſtand zu


