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Morgen, Fräulein! Keine Stunde, keine Minute werde ich warten, und um ehrlich mit Ihnen zu begin⸗ nen, um Ihnen zu beweiſen, daß ich auf die nämliche Offenherzigkeit zähle, ſage ich Ihnen, daß ich Sie weder im Verdacht hatte, noch ausſpionirte, daß ich nach einem Geſpräch mit meinem Manne, in welchem er mir mein angebliches Unrecht gegen Sie vorhielt, hierher kam, um mich bei Ihnen zu entſchuldigen und Sie zu bitten, wie früher mit einander zu leben. Ich Unſinnige, ich ſah nicht ein, daß eine blinde Liebe den Marquis von Monza veranlaſſen könne, mich vor der Gouvernante meiner Tochter zu demüthigen!
Demüthigen, Madame, wiederholte Chriſtine, den Kopf noch mehr emporrichtend.
Demüthigen, Fräulein, ich wiederhole es; demüthi⸗ gen, nicht weil ich reicher und von edlerer Abkunft, als Sie, bin, ſondern weil ich mehr werth bin, als Sie, die Sie mir mein Glück, meinen einzigen Schatz, meinen Gatten ſtehlen.
Ich werde Sie zu Ende hören, Madame, erwiderte Fräulein Orthez, ſich beherrſchend, nachher werde ich Ihnen antworten.
Mit einem Herzen voll Mitleid bin ich hierher ge⸗ kommen, um Ihnen die Hand zu reichen, um Ihnen von einer Zukunft der Ruhe, der Einigkeit zu ſprechen; ich habe dieſes Zimmer leer, mein Kind verlaſſen gefun⸗ den. Ich habe einige Augenblicke gewartet, in der Vor⸗ ausſetzung, Sie würden zurückkommen, Sie ſind nicht zurückgekommen! ich habe Sie in der ganzen Wohnung, im Garten geſucht, Fräulein, dann... dann... bin ich hierher zurückgekehrt, überzeugt, daß Sie früher oder ſpäter wieder erſcheinen würden, und ich habe mich nicht getäuſcht.
Und Sie haben mich nirgend anderswo geſucht, Madame? fragte Chriſtine, das Auge auf das der Mar⸗ quiſe geheftet.


