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Betrachten Sie ſich, Fräulein, und ſagen Sie mir, woher Sie zu ſolch einer Stunde und in ſolch einem Zu⸗ ſtande kommen?
Madame, ſtammelte Chriſtine betroffen, ich fühlte mich unwohl, ich komme aus dem Garten.
Aus dem Garten, ſo gekleidet! Das iſt nicht an⸗ ſtändig, dünkt mich. Und Sie laſſen meine Tochter allein, während Sie ſelbſt wiſſen, daß ſie Ihrer hedürfen kann. Sie fühlten ſich alſo ernſtlich unpäßlich, Fräulein?
Und der Blick dieſer unbarmherzigen Eiferſucht muſterte Chriſtine vom Kopf bis zu den Füßen und ſuchte in ihrer Haltung, in ihren Geberden, ſogar in ihrem Anzug einen Vorwand zum Ausbruche. Die Gou⸗ vernante wankte nicht; nach dem erſten Augenblick der Ueberraſchung hatte ſie die ganze Macht ihrer Energie wieder erlangt; ſie ſchlug die Augen nicht nieder; ſtark in ihrem Entſchluſſe und im Bewußtſein ihrer Unſchuld bot ſie dem Sturme die Spitze und ſchaute der ſich ent⸗ ſpinnenden Scene beherzt entgegen.
In einen Pelz gehüllt, die Haare unter die Nacht⸗ haube zurückgeſtrichen, das Geſicht von Zorn entſtellt, verlor Beatrix alle ihre Vortheile. Vor dem Spiegel ſtehend, in welchem ſie ſich und die Marquiſe ſah, konnte Chriſtine nicht umhin, es zu bemerken und mehr und mehr Vertrauen zu ſich ſelbſt zu faſſen. Obwohl ſie allein waren, fühlte ſie ſich ſchöner, wußte ſie ſich ſtär⸗ ker; ſie wußte ſich tadellos, daher hatte ſie auch nicht die geringſte Furcht und errang ſich die Oberhand in dieſer Lage.
Sie antworten mir nicht, Fräulein, begann gebie⸗ teriſch Frau von Monza wieder.
Verzeihen Sie mir, Madame, aber ich halte dieſen Augenblick für eine Erklärung übel gewählt. Sie ſind von einem ungerechten Vorurtheil eingenommen, Sie
würden mich nicht anhören oder mich ſchlecht anhören; wenn die Frau Marquiſe es erlaubt, ſo werden wir die⸗ ſes Geſpräch morgen wieder vornehmen.


