219
wie Weihrauch zum Himmel empor, durfte ich demſelben nicht den Wohlgeruch meiner Liebe beigeſellen?
Armes, armes Mädchen! murmelte der Marquis ſeufzend.*
O, damals war ich nicht zu beklagen, denn ich war unſchuldig, ich kämpfte mit der Leidenſchaft und ſchmet⸗ terte ſie durch meinen Willen nieder. Vergeblich um⸗ garnte mich der Graf mit Verlockungen, Bitten, Thrä⸗ nen, Drohungen, ich widerſtand Allem. Ich gewährte Dem, der ſein Leben an mich hin verſchwendete, nicht einmal ein Geſtändniß, ich warf ihm eine hochmüthige Herausforderung zu und betrachtete den vor mir Knien⸗ den mit vor Glück hochklopfendem Herzen, kaltem Keyf⸗ und einem Willen, der ſelbſt über meine Liebe ſieegte.
Dieſer Kampf dauerte zwei Monate, aber zwei Mo⸗ nate ohne Unterbruch von Morgens bis Abends und, ich ſchwöre es Ihnen, ohne Koketterie, ohne Kunſtgriffe, hiefür liebte ich zu ſehr. Einzig wollte ich rein bleiben, ich wollte es aus Grundſatz und aus Stolz. Von mei⸗ ner Höhe herabſteigen, einen Mann als Herrn und Ge⸗ bieter annehmen, ſchien mir eine mir unmögliche Er⸗ niedrigung. Ich hätte vor einem jener fabelhaften, heroiſchen, ſo zu ſagen eingebildeten Weſen, vor Alexan⸗ der, vor Cäſar, vor Napoleon mein Haupt gebeugt, das wäre Alles geweſen. Ich lieh eines Abends in Gegen⸗ wart Ernſt's meinen Gedanken Worte, ich leerte meine ſo volle und ſo begeiſterte Seele, ich erklärte, nur Gott oder Satan als mir überlegen anzuerkennen. Er hörte Alles an, ohne Etwas zu ſagen, und in dem Augenblick, wo man ſich trennte, um die Schlafzimmer aufzuſuchen, raunte er mir in's Ohr:
Gott! das iſt unmöglich; Satan: man wird danach trachten.
Jeetzt erſt fühlte ich die Unklugkeit meiner Erklärung, ich fühlte, daß ich vielleicht eine noch ſchwankende Natur zum Böſen verleite.


