Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1850)
Entstehung
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Mein Gott, mein Herr! rief die Gouvernante, Sie krſchrecten mich! Was wollen Sie ſagen, um's Himmels⸗ willen?

Nichts, Nichts, erwiderte der Marquis; es iſt mög⸗ lich, daß ich mich irre, ich hoffe es ſogar, ich bin davon überzeugt; vollenden Sie, vollenden Sie!

Ich habe Ihnen alſo den Anfang dieſer für mich und vielleicht auch für ihn ſo unheilbringenden Liebe erzählt, denn ich weiß nicht, wohin ſie uns Beide füh⸗ ren wird. Von dieſem Tage an, dieſem jammervollen Tage, an welchem ich mich einer Einfältigen, einer När⸗ rin gleich, durch phyſiſche Schönheit fangen ließ, von dieſem Tage an, wo dieſe zuverſichtlichen Blicke, dieſe kühnen Stellungen, dieſe herkuliſchen Formen mir den Glauben eines unbezähmbaren Charakters, einer Feuer⸗ ſeele, eines Heldenwillens beibrachten, von dieſem Tage an veränderte ſich Alles um mich her: Ich bekam leidenſchaftlichen Geſchmack an dieſer Welt, die ich nicht liebte, an der Toilette, die ich verachtete, an den Huldi⸗ gungen die ich von mir wies. Ich wollte ſchön und an⸗ gebetet ſein, denn dieſer Mann ſchien mir groß und es chien mir nicht genug, ihm einen Thron anzubieten, ich brauchte einen Altar. Dieſe Welt von der Höhe ſei⸗ nes und meines Geiſtes beherrſchend, ſtellte ich uns Beide auf den Gipfel der menſchlichen Pyramide, wie Jehovah über ſeinem Dreieck thront. Mit ihm oder durch ihn ſchien mir Alles möglich, mein Herr; ich liebte ihn nicht nur von ganzem Herzen, ſondern von ganzer Seele, mit allem meinem Ehrgeiz, mit meinem ganzen früheren Schmerze, allen meinen Träumen, meiner gan⸗ zen Vereinzelung, mit Allem, was an zurückgedrängten Neigungen in mir lag, kurz, ich liebte ihn... wie ich nur lieben konnte!

Chriſtine war erhaben, als ſie dieſes ſprach; ihre Schönheit erglänzte höher im Widerſchein ihrer Seele. Die Augen auf ſie geheftet, fühlte Amadee, wie neue Gedanken in ihm auftauchten, er meinte eine andere