Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

214

Ich will Ihre Geduld nicht mißbrauchen, mein Herr, Sie wiſſen, daß ich mich an eine junge Englän⸗ derin, Miß Packet, anſchloß, daß ich ſie nach England begleitete und daß dieſe wohlthätige Familie mich ſo zu ſagen als Familienglied aufnahm; die Frau Herzogin hat Ihnen das Alles geſagt.

Ja, und ich weiß auch, daß Sie, von den glänzend⸗ ſten und ſchmeichelhafteſten Huldigungen umringt, doch alle zurückgewieſen haben; ich weiß, warum Sie dieſe Familie verlaſſen haben, in welcher Sie ſo glücklich lebten; allein verzeihen Sie, wenn ich Ihnen ſage, daß ich nicht begreife, warum Sie die ungewiſſe und oft unan⸗ enehme Stellung einer Erzieherin der Ihnen vorge⸗ phlagelen Heirath vorgezogen haben.

Gerade das muß ich Ihnen noch erklären; das war das Verhängniß und das Unglück meines Lebens und hier werde ich, wie geſagt, Ihrer ganzen Nachſicht be⸗ dürfen.

Wohlan!„

Sie zögerte, erröthete ein wenig und fuhr dann fort:

Ich ſchlug die mir angebotene Heirath aus, weil ich einen Mann liebte, der mich wieder liebte.

Sie liebten! rief der Marquis aufſehend, Sie lieb⸗ ten und waren geliebt! Sie, Fräulein?

Ja, mein Herr.

Und ſie verbarg ihren Kopf in ihren Händen.

Amadee's Ton und Geſicht veränderten ſich ſo zu ſagen vor ſeinem Gedanken. Sie bekamen einen Anflug von Strenge, ja ſogar von Härte, welche Chriſtine auf der Stelle wahrnahm, während ſie ſich jedoch über die Urſache derſelben täuſchte..

Ich ſagte Ihnen ſo eben, Sie möchten mich nicht voreilig freiſprechen; jetzt bitte ich Sie, mich nicht vor⸗ eilig zu verdammen, mein Herr.

Und ich antworte Ihnen ebenſo, daß ich weder das Recht noch die Luſt habe, Sie zu verdammen, Fräu⸗ ein.