Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

60

hat meine Brautkrone gefärbt und wir haben uns, ſo zu ſagen, dadurch mit einander enge vereint. Es kommt mir vor, ſie ſei meine Beſchützerin im Himmel und nehme dort neben meinem Vormund meine Stelle ein. In meinen Träumen ſehe ich ſie immer beiſammen, ſie lächeln mir zu, ſie ſegnen mich. Oft, wenn ich erwache, glaube ich ſie an meinem Bette zu ſehen, über mich wachend, und— aber Sie werden mich für abergläu⸗ biſch und viſionär halten— dann erſcheinen ſie mir traurig. Sie ſehen mich mit Augen voll Thränen an und zeigen wiederholt auf ihre Wunden, indem ſie ſpre⸗ chen:„Arme Beatrix!«

Sie ſteigern Ihre Einbildungskraft, Fräulein. Das iſt nicht gut und zudem nicht großmüthig mir gegen⸗ über. Von welchem Unglück könnten Sie ſich denn in unſerer Ehe bedroht glauben?

Verzeihen Sie mir, Amadee! Es ſind Thorheiten, die aber nach den entſetzlichen Ereigniſſen, deren Zeugen wir geweſen, wohl zu entſchuldigen ſein möchten. Ich will es Ihnen nicht verbergen, der Vorfall mit meiner blutigen Krone will nicht aus meinem Gedächtniß ſchwin⸗ den und erfüllt mich mit Schrecken. Ein Trauerſchleier ſcheint mein Leben einzuhüllen. Ich glaube an Ahnun⸗ dengic habe immer daran geglaubt und meine Mutter ebenſo.

Dieſe Unterhaltung wiederholte ſich noch mehrmals vor dem zur Hochzeit feſtgeſetzten Tage.

Amadee bot alle Hülfsmittel auf, um die düſteren Gedanken ſeiner Braut zu verſcheuchen, und es gelang ihm auch, ſo lange er da war. So wie aber Beatrix wieder allein war, bemächtigte die Melancholie ſich ihrer von Neuem.

So verlief denn den Anſtrengungen Aller unge⸗ achtet die Hochzeit traurig.

Das Bild des Präſidenten vor ſich, das Bild dieſes edlen Greiſes, deſſen Platz von keinem Andern einge⸗ nommen werden konnte und das dem Feſt beizuwohnen