59
Kind hegte, welches ſie erzogen, gegen Jedermann den Mund verſchloß.
Als der Knall des Piſtols die Dienerſchaft herbei⸗ rief, mußte man zuerſt die von Innen verſchloſſene Thüre
einbrechen, und dann fand man den Präſidenten vor dem
Portrait ſeiner Frau todt in ſeinem Blute, die unglück⸗ ſelige Waffe noch in der Hand haltend.
Das Fenſter ſtand offen.
Von den Banknoten, welche der Präſident auf den Tiſch gelegt, keine Spur.
Man hörte Nichts mehr von Ernſt und vermochte ſeinen Zufluchtsort nicht zu entdecken.
Als Amadee ſeine Verlobte wiederſah, war er ent⸗ zückt, ſie von dem Verluſt, der ſie betroffen, ſo erfüllt zu ſehen. Nie zeigte ſich das zärtliche und gute Herz von Beatrix ſchöner, nie fanden ihre Fehler eines ver⸗ zogenen Kindes leichter Entſchuldigung. Der Marquis war ganz ſtolz auf die Lebensgefährtin, mit welcher er ſich verbinden wollte. Seine glühenden Wünſche hätten die Hochzeit gerne beſchleunigt, allein der Anſtand und der Wilhe der Frau von Chamarante ſchoben dieſelbe ein paar Monate hinaus.
Beatrix bewahrte der unglücklichen Sophie ein leb⸗ haftes Andenken. Kein Tag verging, ohne daß ſie von ihr ſprach. Sie hob die von Sophie geſtickten Taſchen⸗ tücher ſorgſam auf und erklärte, daß ſie dieſelben nie gebrauchen würde. Sie bewahrte dieſelben mit religiöſer Achtung, wie auch den verwelkten Blumenſtrauß.
Der Marquis fragte einſt ſeine Braut:
Liebe Beatrix, woher rührt das große und beſtän⸗ dige Intereſſe, welches Sie dieſem jungen Opfer wid⸗ men? Woher dieſer Cultus der Erinnerung? Ich meine, er müßte Ihnen zu peinliche Gedanken erregen, als daß Sie ihn nicht unterlaſſen ſollten..
Seit dem unglücklichen Tage habe ich das Gefühl, daß ein geheimnißvolles Band, ich weiß nicht was für eine Sympathie zwiſchen ihr und mir erxiſtirt. Ihr Blut


