Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1850)
Entstehung
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5⁵

Schmerz! welche Verzweiflung, mein Gott!... Arme, arme Sophie!

In dieſem Augenblick erhob ſich die Stimme des Prieſters mitten in dem Schweigen und ſprach die Worte:

Alles auf Erden geſchieht nach dem Willen Gottes, er hält unſer Leben in ſeinen Händen! Gott berückſichtigt weder Schönheit noch Jugend, der Tod bricht ohne Un⸗ terſchied die Blumen des Feldes und die der Gärten, uns Alle erwartet das Grab, auf daß wir Staub werden.

Die barmherzige Schweſter antwortete:

O Herr, laß uns fromm ſterben, ſchenke uns Deine Gnade, ziehe unſere Seelen von der Erde zu Dir. Die Neigungen und Freuden dieſer Erde ſind eitel; Du allein biſt groß, Du allein biſt wahr, Du allein biſt wahrhaft gut!

Beatrir fühlte ſich in's Herz getroffen durch einen Schmerz, den ſie ſich nicht zu eerklären vermochte. Ihre Thränen floſſen ohne ihr Vorwiſſen auf ihre gefalteten Hände nieder. Auch ſie betete. Ihre Seele ſchwang ſich empor zu der Seele, welche gewaltſam dieſem noch immer ſo ſchönen Körper entriſſen worden, welcher den Worten des Pſalmiſten zufolge Staub werden ſollte.

Meine Schweſter, ſprach ſie, höre mein Gebet, Du, die meine Liebe gekannt und mein Glück beneidet hat! Oh, bitte für mich zu Gott, der dich hört, bitte ihn, mich auch ſo jung ſterben zu laſſen, wenn meiner allzu harte Prüfungen warten ſollten! bitte ihn, mich zu ſich, zu Dir zu rufen, wenn ich je aufhören ſollte, geliebt zu werden. Und Du, theure Selige, wache uüber mich Verlaſſe mich nicht, bedecke mich mit Deinen Schwingen, beſchütze mich, Du, die jetzt ein Engel iſt, damit ich einſt mit Dir mich vereinigen und an Deiner Seite des Glückes der Engel theilhaft werden möge!*

Hierauf erhob ſie ſich, nahm den Blumenſtraß von geſtern, hüllte ihn ehrerbietig wie eine Reliquie ein und ſtellte den neu mitgebrachten an deſſen Stelle.