Teil eines Werkes 
1. - 4. Bdchn (1850)
Entstehung
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Beatrix ſtieß einen erſtickten Schrei aus und ſprang in ihrem Bette auf.

Ermordet! Und durch wen? und warum?

Oh, Fräulein, das iſt eben das Entſetzliche, verſetzte die Zofe, ihre Stimme dämpfend. Ermordet, wie man verſichert, durch Herrn Ernſt, den Sohn des Präſidenten, und zwar um Raubes willen! Und er war noch dazu ihr Liebhaber!

Oh, mein Gott, mein Gott! Aber das iſt ja nicht möglich. Sie täuſchen ſich, Joſephine. Die arme Sophie durch den Sohn meines Vormunds ermordet!... O, ſwein Vormund, mein guter Vormund! Er wird daran

erben!

Ein Thränenſtrom benetzte das Geſicht von Beatrix. Sie richtete ſich in ihrem Bette auf und hüllte ſich in ihre atlaſſenen Decken und ſpitzenbedeckten Batiſttücher, denn ſie fror. Wie heute Morgen fielen ihre Haare über die Schultern und das in Unordnung gerathene Hemd herab, aber das war nicht mehr das ſtörrige Kind, wel⸗ ches durch eine ſeiner Launen das ganze Haus umkehrte, das war ein ſchluchzendes, bebendes junges Mädchen, welches, bleich und ſchön wie das Mitleid, alle Seufzer, alle Thränen ihres Herzens einem Unglück zollte, welches nicht ihr eigenes war.

Ach, Fräulein, fuhr Joſephine mit leiſer Stimme fort, wenn Sie wüßten, was das für ein gräßlicher An⸗ blick war! Ich habe Sie geſehen, die arme Sophie! Wir ſind mit Frau Angela hingelaufen. Sie iſt in ihrem eigenen Zimmer, welches ſonſt ſo reinlich und ſchmuck war, auf ein kleines weißes Bett ausgeſtreckt. Das Bild der heiligen Jungfrau und ihres gebenedeiten Sohnes iſt ihr zu Häupten angebracht, und daneben der geweihte Buchszweig, welchen ich ihr am letzten Palm⸗ ſonntag gegeben, wie auch das Portrait ihrer Mutter. Und ſie iſt ſo ſchön, aber ſo bleich! Ihre langen Wim⸗ pern fallen auf ihre Wangen nieder. Man könnte ſagen, ſie ſchlafe, ohne die gräßliche Wunde, welche ich ſehen

Die blutige Marquiſe. I. 4