er gedachte der von ihm eingegangenen Verpflichtung, weder die Stimme der natürlichen Zärtlichkeit noch die des Mitleids zu hören, und ein ſchrecklicher Kampf zwi⸗ ſchen den zwei heftigſten Gefühlen ſeines Lebens, zwi⸗ ſchen der Pflicht und der Liebe zu ſeinem Hauſe, ent⸗ ſpann ſich in ihm. Der Haushälterin ein Zeichen ge⸗ bend, hatte er kaum Kraft genug, um ihr das folgende Zimmer zu zeigen, wo die Beamten bereits thätig wa⸗ ren. Dann kehrte er in ſein Cabinet zurück und ſetzte ſich dem Portrait ſeiner Frau gegenüber.
So blieb er einige Minuten, regungslos, verſtört, mit ſo chaotiſch verwirrten Gedanken, daß er ſich dem Wahnſinn nahe fühlte.
Dann ſtand er plötzlich auf, ging zu der Thüre des Salons, verſchloß ſie, ſowie die des Vorzimmers, öffnete die großen Fenſterthüren, welche auf den Garten hinaus⸗ gingen, und ſtieg die Freitreppe hinab. Er hatte das Alles ſehr ſchnell gethan und ſtand jetzt ſtill.
Ich muß, o mein Gott! murmelte er.
Hierauf ſtieg er raſch vollends hinab, eilte mit der Geſchwindigkeit eines jungen Mannes durch einen ge⸗ wundenen Baumgang und lief auf einen Pavillon zu, deſſen weiße Säulen aus dem dunkeln Blätterwerk her⸗ vorſchimmerten. Hier angekommen, mußte er aber⸗ mals ſtill ſtehen, denn ſein Herz ſchlug ſo heftig, daß er zu ſterben glaubte und ſchon dem Himmel dafür dankte, daß er ihm ein ſo jammervolles Alter erſpare. Aber der herriſche Inſtinkt, welchem er gehorchte, verlieh ihm eine übermenſchliche Kraft. Er klopfte an die Thüre des Pavillons, erſt leiſe, dann lauter, erhielt jedoch keine Antwort.
Sollte er nicht mehr da ſein, dachte er, oder fürchtet er, entdeckt zu werden?
Er verſuchte die Pforte zu öffnen. Sie war von innen verſchloſſen.
Mein Herr, ſagte er, öffnen Sie, ich bin es. Die Pforte öffnete ſich ſogleich. 3


