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vorbrachte, neigte der Procurator des Königs das Haupt und fügte ſanft hinzu:
Waffnen Sie ſich mit Muth, Herr Präſident. Das iſt eine furchtbare Prüfung!... Wir haben leider die dringendſten Gründe, anzunehmen, daß Herr Ernſt des Mordes ſchuldig ſei, welcher heute Abend in der Paſſage Vendome an Fräulein Sophie Hervé vollbracht wurde.
Herr von Saint⸗Serve erwiederte kein Wort, machte keine Geberde, änderte ſeine Stellung nicht, nur überzog eine leichenhafte Bläſſe ſeine Züge, und nach einigen Augenblicken des Schweigens funkelten ſeine regungsloſen Augen von dem Feuer des Fiebers, und zwei Thränen rollten langſam über den Marmor dieſes Geſichtes, wel⸗ ches ſcheinbar ebenſo kalt und unbelebt war wie die Statue der Verzweiflung.
Die Beamten traten bei Seite, indem ſie die erſten Momente dieſes antiken Schmerzes achteten und warteten, bis der unglückliche Vater Geiſtesgegenwart genug ge⸗ ſammelt hätte, um ſie verſtehen zu können. Aber die Minuten verfloſſen und das Stillſchweigen des Todes währte fort. Der Polizeicommiſſär brachte daher eine Frage vor. Der Unglückliche ſchien ſie nicht zu hören und verharrte noch einige Augenblicke in ſeiner Regungs⸗ loſigkeit. Doch plötzlich ſtand er auf und ſagte:
„Gehen wir, meine Herren!«
Er zog die Klingel und der Kammerdiener trat ein.
Bezeugt der Frau Vicomteſſe meine Achtung und ſagt ihr, daß ich ſie heute Abend nicht mehr werde ſehen können, da ich das Hotel auf der Stelle verlaſſen muß... Meine Herren, mein Wagen wartet Ihrer.
Vielleicht waren der Muth eines Vaters, der Stolz auf edles Blut, die Erinnerung an ein vorwurffreies Leben niemals auf eine grauſamere Probe geſtellt wor⸗ den. Niemals litt ein Menſch heftiger als dieſer ſtoiſche Greis, welcher ſich ſchämte, das zu Pigen, was er ſeine Schwäche nannte. Er erwies den Beamten beim Ein⸗ ſteigen in ſeinen Wagen die gebührenden Höflichkeiten,


