Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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Die Herzogin beſuchte ſie in dem Kloſter, wohin ſie ſich zurückgezogen, und erhielt die Erlaubniß, an das Bett der Kranken zu treten.

Das war nur noch das Geſpenſt der ſchönen Chriſtine.

Oh, mein Gott, rief die Herzogin aus, das ſind Sie, liebes Kind!

Ja, Frau Herzogin, und meine Seele iſt noch mehr verändert als mein Körper.

Meine liebe Freundin, Sie waren zu groß, zu edel, zu ſchön für Ihre Stellung. Sie kommen mir vor wie einer jener großen Diamanten Indiens, welche in ein ſchlechtes und zu enges Käſtchen eingeſchloſſen ſind. Sie mußten unterliegen, es mußte ſo kommen. Nie vermag eine Frau, wie groß ſie auch ſei, allein gegen die Geſellſchaft zu kämpfen. Das iſt, wie wenn man eine zierliche Barke dem wüthenden Ozean über⸗ läßt; ſie geht zu Grunde. Und dann iſt man ja im⸗ mer ſtrafbar, wenn man unglücklich iſt. Ach, ich babe ſchon oft daran gedacht, daß unſer Heiland trotz ſeiner erhabenen Hingebung vor dem Gedanken, den Leib eines Weibes anzunehmen, zurückgeſchrocken ſein würde. Sein Leiden hätte ſonſt ſtatt einige Tage ſein ganzes Leben gewährt. Arme Chriſtine, ich weiß Ihnen keinen an⸗ dern Troſt zu ſpenden.

Ach, Madame, ich weiß es wohl.

Sie haben wie ein Mädchen von Geiſt und Herz gehandelt, indem Sie ſich zurückzogen. Sie konnten nicht bei Flavia bleiben und zwar aus Achtung für die unglückliche Beatrix. Hätte ſie mir doch geglaubt! Indeſſen hätte ich den Marquis einer That von dieſer Abſcheulichkeit nie für fähig gehalten. Eine Frau er⸗ morden! Ein Edelmann! Zum Glück hatten ſie ſo viel Scham, den Adel aufzuheben, und wir brauchen alſo nicht zu erröthen.

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