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Die Herzogin beſuchte Chriſtine noch mehrmals und verpflichtete ſich, Niemand ihr Aſyl zu entdecken, ihr jedoch oft Nachrichten von Flavia und Robert zu
eben.
3 Als die Anweſenheit von Fräulein Orthez bei der gerichtlichen Prozedur nicht mehr nöthig war, und ſie die Anſtrengungen der Reiſe zu ertragen vermochte, kehrte ſte nach Frankreich zurück und trat, ohne daß es einer ihrer Bekannten erfuhr, in ein Kloſter der Trappi⸗ ſtinnen, wo ſie von dem, was in der Welt vorging, fernerhin Nichts mehr erfahren konnte. Sie lebt dort in ſtrenger Buße ganz ihrem Gott, ihrer Reue, ihrer Hoffnung auf ein anderes Leben. Außer der Superiorin kennt Niemand ihren Namen.
Flavia iſt inzwiſchen ſechszehn Jahre alt geworden. Sie iſt ſchön, reizend, ein ausgezeichnetes weibliches Weſen, eines jener ſeltenen Herzen, welche Nichts ver⸗ geſſen und Allem Rechnung tragen. Dem Wunſch ihrer Eltern gemäß hat ſte ſich mit Robert verheirathet. Eine vollendete Erziehung und die Gewohnheit, mehr für Andere als für ſich ſelber zu leben, verheißen ihr ein ſo vollkommenes Glück, als dieſe Erde nur immer zu bieten im Stande iſt. Sie ſpricht oft von Chriſtine und beklagt ſie; ſie ſpricht auch oft von ihrer Mutter und ihrem Vater und zwar ſtets mit der achtungsvoll⸗ ſten und zärtlichſten Liebe.
Einige barmherzige Perſonen ſtellten dem Grafen von Charamante vor, es ſei doch unziemlich, daß ſeine Frau das Andenken ihrer Gouvernante ſo ſehr achte, da doch die Welt in ihrer Gerechtigkeit Chriſtine für die Maitreſſe des Marquis und für die Mitſchuldige des ſchändlichen Mordes halte, welchen er begangen. Robert konnte hierauf nicht mit Enthüllung der vollen Wahrheit antworten, aber er hatte demungeachtet den Muth, Chriſtine zu vertheidigen. Vielleicht hat ihr


