Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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Monza erzählen mußte. Sie leugnete nicht, daß ſie vielleicht an ſeinem Selbſtmord mitſchuldig ſei, indem ſte ihm vorgeſtellt, welche Schmach ſeine Hinrichtung auf ſeine Tochter wälzen würde; allein die letzten Er⸗ klärungen des Marquis, welche er auch ſeinem Beich⸗ tiger im letzten Augenblicke ſeines Lebens wiederholt hatte, entledigten ſie jedes weiteren Verdachtes. Man tadelte ſte zwar, daß ſie dem Schuldigen den Wunſch, ſich der Gerechtigkeit zu entziehen, eingeflößt habe, aber man verhörte ſie nicht weiter.

Aber, meine Herren, fragte ſie, iſt es mir wohl er⸗ laubt, mich nach dem Herrn Marquis zu erkundigen? Sein Zuſtand...

Er leidet nicht mehr, verſetzte der Kanzler; wir haben ſo eben ſeinen letzten Seufzer empfangen.

So erfüllte ſich der Fluch von Beatrix; ihr Mann ſtarb ohne einen Freund oder Verwandten an ſeiner Seite zu haben, in den Händen der menſchlichen Ge⸗ rechtigkeit, bevor er vor den Richterſtuhl der göttlichen gerufen wurde.

Chriſtine neigte das Haupt und betete.

3 Kann ich jetzt das Schloß verlaſſen? fragte ſie ann.

Ja, aber unter der Bedingung, daß Sie ſich ſtel⸗ len, wenn Sie dazu aufgefordert werden. Es haftet kein Verdacht auf Ihnen und Sie ſind frei, aber Sie dürfen Baiern nur mit Bewilligung der Behörden ver⸗ laſſen, denn Sie müſſen als Zeugin in der gerichtlichen Prozedur figuriren.

Sobald Chriſtine wieder allein war, traf ſie ihre Vorbereitungen zur Abreiſe. Ihr Zimmer ging auf den Hof hinunter, wo ſich die Ställe befanden, und ſie warf von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Stallbe⸗ dienten, welche ihren Wagen beſpannten. Auch einen Theil der Avenue des Schloſſes jenſeits des Grabens konnte ſie überſehen.

Die blutige Marquiſe. II. 12