Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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bert, leben Sie wohl, mein Verlobter, leben Sie wohl, Sie einzige Liebe meines Lebens. Suchen Sie meinen Aufenthaltsort nicht zu entdecken, es wäre vergeblich; ſuchen Sie mich nicht wieder zu ſehen, Alles, was es Heiligſtes gibt, wiederſetzt ſich demſelben. Gott ſegne Sie, er gewähre Ihnen alles Gute, das Sie verdienen. Indem ich meine Flavia bildete, glaubte ich nicht, Ihnen eine Gefährtin zu bereiten, die beſte, reinſte, die Sie wählen können. Es iſt ein Troſt für mich, Ihnen das Mädchen ſo gut, ſo ſanft, ſo vollkommen gemacht zu haben. Flavia wird Sie lieben und Ihr werdet die Engel nicht beneiden können, Ihr theuern, liebenswürdigen Kinder, bei denen ich Mutterſtelle ver⸗ treten möchte, aber ach!... Leben Sie nochmals wohl, ich kann dieſes Papier nicht verlaſſen, es iſt das Ein⸗ zige, was Ihnen bald noch von mir bleiben wird, der letzte Gedanke, der Ihnen von der traurigen Chriſtine zukommen wird. Beklagen Sie meinen Verluſt nicht, Sie werden mehr finden, als Sie verlieren. Flavia, meine Flavia wird die Schuld meiner Erkenntlichkeit bezahlen, ſte wird ſte hundertfach bezahlen. Leben Sie wohl! Ich werde das Kind meiner Zärtlichkeit noch einmal ſehen, ich werde es ſachte auf den bedrohlichen Schlag vorbereiten; nachher ſagen Sie ihr Alles. Die ſchrecklichen Verhältniſſe, in die ich geworfen wurde, unterſagen mir die traurige Freude, ſte zu tröſten. Nicht wahr, Robert, Sie werden ihr Alles erſetzen, was ſie verliert? Sie werden ihr Vater, Mutter und Chriſtine zugleich ſein!...

Als Chriſtine dieſen Brief geſiegelt, als ſie ihren Verlobungsring vom Finger gezogen hatte, fühlte ſie ſich erleichtert; das Uebrige erſchien ihr im Vergleich damit gering. Sie hätte gewünſcht, das Schloß ſo ſchnell als möglich zu verlaſſen, allein das ſchon am Morgen erlaſſene Verbot machte die Sache ſchwierig. Man mußte die Ankunft des Kanzlers der Geſandtſchaft

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