Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

173

zögerte Sie nicht, die Wahrheit zu erkennen; von hier an war es für dieſe ſtolze Seele nur ein Schritt, um die Folgen davon zu erdulden und ohne Murren anzu⸗ nehmen, und dieſen that ſie ohne Zaudern. Sie trocknete ihre Thränen, die ſie nicht zurückhalten konnte, ſetzte ſich an ihren Schreibtiſch und ſchrieb:

Robert, ſeit wir uns getrennt haben, iſt das Verhängniß über uns hereingebrochen. Ich muß der Zukunft von Liebe und Glück, die ich erwartete, ent⸗ ſagen; wir müſſen einander auf immer fremd bleiben. Sie werden bald die furchtbaren Unglücksfälle erfah⸗ ren, die ſich in Ihrer Familie ereignet haben; Sie werden bald erfahren, daß Sie die einzige Stütze, der einzige Beſchützer einer Waiſe ſind, deren Eltern ſie Ihnen vermachen und der Sie Ihr Leben weihen müſſen. Machen Sie ſie glücklich, lieben Sie ſie, Robert, wie ich Sie geliebt hätte, wenn Gott es geſtattet haben würde. Redet zuweilen Beide von mir, vergeßt mich nicht und glaubt, daß wo Ihr auch ſein werdet, mein Herz Euch folgen wird. Eine unbeugſame Pflicht be⸗ ſiehlt mir, Sie zu fliehen und meine geliebte Schüle⸗ rin andern Händen zu übergeben. Ich gehorche, zwar nicht ohne Murren, ich geſtehe es, aber ohne Zaudern. Mein Herz iſt zerriſſen, aber meine Seele iſt ruhig. Ich nehme die Gewißheit mit mir, Flavia und Sie von einem der größten Leiden dieſer Welt errettet zu haben; dieſe Erinnerung wird meine Klagen tilgen; ſie wird noch mehr tilgen. Ich werde Sie lieben, ſo lange ich in dem irdiſchen Exil auf Erden lebe, ich werde Sie nachher noch lieben; Gott kann mir dieſe Liebe in ſeinem Paradieſe nicht nehmen, er hat ſie mir nicht verboten. Ich ſende Ihnen den Ring Ihrer Mut⸗ ter zurück, verlange aber die Reliquie meiner Mutter nicht dagegen; ſie wird Ihnen Glück bringen, behalten Sie dieſelbe, ich brauche kein Glück mehr, da ich es nicht mit Ihnen theilen kann. Leben Sie wohl, Ro⸗