Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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Sie traf Niemand an. Als ſte ſich allein befand, als ſie ſich mit Kaltblütigkeit vor die Seele führte, was ſo eben vorgefallen war, was ſie gethan hatte, ergriff ſie ein gewaltiges Zittern, ein kalter Schweiß und ſie meinte zu ſterben. Dann warf ſie ſich mitten im Zim⸗ mer auf die Kniee und betete. Reue und Verzweiflung drückten ſie zu Boden.

Ach, ſagte ſie, er hat Recht, ich ſollte es machen, wie er. Ich kann nicht mehr in dieſer Welt bleiben, mein Theil an Schmerzen iſt zu ſtark und jetzt habe ich noch Gewiſſensbiſſe hinzugefügt. Zum erſtenmal, ſeit ich lebe, fuͤhle ich mich der Fügung des Himmels nicht gewachſen und unterliege ich der Laſt; wenn ich mich aber ſelbſt aufgebe, was bleibt mir dann in meinem Alleinſtehen? Beten, beten will ich, ich will Gott bitten, daß er mir gute Gedanken eingebe, daß ſein Wille mich erleuchte. Indem ich meiner eigenen Einſicht folgte und mich für das Werkzeug ſeines Willens und ſeiner Gerechtigkeit hielt, habe ich mich ſo ſtrafbar gemacht, als der Mörder es iſt. Und ich wage noch, nach Glück zu trachten, ich wage noch, die Freude anzunehmen, bei Flavia zu leben, ich... die ich... ach, es iſt furcht⸗ bar! Aber ich kann nicht, ich darf es nicht, nach dieſer Handlung muß ich ſtrenge Buße thun. Flavia, Ro⸗ bert, ſte ſind auf immer für mich verloren. Ich habe mich geopfert, ich habe das Opfer angenommen, ich bin ihm zuvorgekommen, es erdrückt mich! Ach, der Herr des Himmels möge mir zu Hülfe kommen!

So brachte Fräulein Orthez einige Stunden, je⸗ denfalls die peinlichſten ihres Lebens zu. Dieſer über⸗ legene Geiſt ließ ſich durch keinen Einfluß beherrſchen, obwohl er jeden ſpürte. Er eerhob ſich immer wieder größer und ſtärker und nietrieb Jemand die Unbeugſamkeit der Pflicht und der Hingebung ſo weit wie ſie. Sie trieb ſte bis zum Verbrechen, wie man ſo eben ſah. Durch ein übertriebenes Ehrgefühl irre geleitet,