Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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Das Teſtament.

Chriſtine und Herr von Monza glaubten ihren Augen nicht trauen zu dürfen. Sie erkannte den Bauer, den ſie am Morgen ſchon bemerkt hatte, und Beide ſahen in dieſem Bauer einen Mann vor ſich, den ſie ſeit mehreren Monaten todt wähnten, Ernſt von Saint⸗ Serve. In dem Zuſtande der Aufregung, in welchem ſie ſich befanden, darf der Gedanke an eine übernatür⸗ liche Erſcheinung nicht überraſchen; er drängte ſich ſo⸗ gar Fräulein Orthez auf, ſo muthvoll und aufgeklärt ſie war. Amadee aber zweifelte gar nicht daran, bis die höhniſche Stimme Ernſt's an ſeine Ohren klang und ihm ſein Loos verkündete. Dieſe Befürchtung ver⸗ trieb alle andern, er wandte ſich an die Gouvernante und fragte ſie herriſch, ob ſie dieſes furchtbare Attentat wirklich gewagt habe.

Ich weiß nicht, ob es ein Attentat iſt, jedenfalls aber iſt es nur Gerechtigkeit, iſt es ein nothwendiges Opfer, und ſollten der Himmel und die Menſchen mich anders beurtheilen, als ich mich ſelbſt beurtheile, ſo werde ich nicht lügen, ich habe es gethan.

Taumelnd vor Entſetzen und auf Chriſtine er⸗ ſchrockene Blicke werfend, ſtürzte der Marquis nach dem Klingelzuge, doch bevor er denſelben erreicht hatte, zog Ernſt, ſchneller als der Gedanke, ſein Meſſer aus ſei⸗ nem Gürtel und ſchnitt die Klingelſchnur in einer Höhe ab, daß ſie nicht mehr zu erreichen war.

Nicht doch, ſagte er mit größter Kaltblütigkeit, nicht doch, Vetter, das darf nicht ſein. Der Gatte von meines Vaters Mündel ſoll nicht auf dem Schaffot ſterben. Ich ſchulde das der Familie und werde we⸗ nigſtens dieſe Pflicht erfüllen.