Haben Sie Mitleid mit mir, Chriſtine, ich bin ſo unglücklich! 3
Mitleid mit Ihnen, mein Herr! O ja, ich habe Mitleid mit Ihnen, ich kenne Ihr ganzes Unglück und wenn auch Ihre egoiſtiſche Liebe mich zu Grunde ge⸗ richtet hat, wenn ſie mich vielleicht auch tödten wird, ſo beklage ich Sie nichtsdeſtoweniger von ganzer Seele.
Der liebevolle und traurige Ton, mit dem ſie dieſe Worte ſprach, ſetzte den Marquis in Staunen. Ge⸗ wohnt, ſie ſo hart, ſo herriſch zu finden, bildete er ſich ein, ſte werde gerührt und fühlte einige Hoffnung.
Sie haſſen mich alſo nicht, Chriſtine?
Nein, antwortete ſie, noch einmal, ich beklage Sie.
Er wollte ihre Hand ergreifen, die ſie ihm jedoch lebhaft entzog.
Ich kann Ihre Hand nicht berühren, ich kann es nicht, es iſt unmöglich.
Ach, ich flöße Ihnen Grauſen ein.
O nein, nein, ſagte ſie, wie von einem Schwindel ergriffen, ich kann nicht länger widerſtehen, laſſen Sie mich hinaus.
Verlaſſen Sie mich nicht, verlaſſen Sie mich nicht, Sie ſind mein ganzes Leben und meine ganze Kraft; verlaſſen Sie mich nicht; ich glaube, ich würde ein Narr, wenn ich Sie nicht mehr ſähe. Sehen Sie denn nicht ein, daß wenn ich nicht ſterben will, es nur ge⸗ ſchieht, um Sie immer wieder zu ſehen? Wenn ich Chrloſigkeit auf mein Haupt lade, wenn ich ſie meiner Tochter vermache, ſo geſchieht es Ihretwegen, um Ihret⸗ willen, Chriſtine, ganz um Ihretwillen!
Er hielt ihre beiden Hände, die ſie nicht mehr zu⸗ rückzog und bedeckte ſie mit Küſſen und Thränen. Auch über Chriſtinens Antlitz rollten langſame Thränen.
Ich weiß es, fuhr er traurig fort, ich weiß, Sie haben Recht, der Marquis von Monza, der Sohn jenes ruhmwürdigen Feldherrn, deſſen Name auf den Sei⸗ Die hlutige Marquiſe. II. 11


