160
Sind Sie unwiderruflich entſchloſſen? Sie nehmen die Schmach an, Sie unterwerfen ſich der Schande, kurz Sie ſind ein Feigling!
Fräulein..
Sie ſind ein Feigling, ich wiederhole es Ihnen... und Sie müſſen ſich daran gewöhnen, das zu hören, ſo wird man Sie künftig nennen, man wird dieſen Namen noch Ihrem Andenken beilegen. O Flavia, Flavia! Dein Vater iſt ein Mörder und ein Feigling!
Sie ſagen mir die Wahrheit. Sie ſind entſchloſſen, ich bin es auch. Ich bin durch Sie und Ihretwegen ſtrafbar geworden, ich will die Frucht meines Verbrechens keinem Andern laſſen.
Ei, mein Herr, ſeien Sie ruhig, Liebe und Glück ſind auf immer für mich verloren. Sie haben zugleich mein Leben gebrochen, indem Sie.. die arme Mar⸗ quiſe getödtet haben! Kurz, Ihr Entſchluß ſteht alſo feſt, Nichts vermag Sie zu rühren; ſo erfülle ſich denn Ihr Schickſal und Gott verzeihe mir!
Herr von Monza antwortete mit glühenden Worten, mit dem Ausdruck einer unſinnigen und zu Allem fähigen Liebe. Er warf ſich Chriſtine zu Füßen; nachdem er ge⸗ droht hatte, flehte er ſie an; dann drohte er von Neuem. Unbeugſam, kalt, aber zitternd, ſetzte Fräulein Orthez dieſer Aufregung die ſchimpflichſte Verachtung entgegen. Sie ließ ihr Herz reden, geſtand jedoch ihre zärtliche Liebe zu Robert, ihre gegenſeitigen Gelöbniſſe nicht ein; dieſes Geheimniß ſollte um Flavia's Glück willen mit der Mar⸗ quiſe in's Grab ſteigen. Die Wuth des Marquis kannte keine Gränzen mehr; er trat an den Tiſch und trank ein neues Glas Grog. Chriſtine, die am andern Ende des Zimmers ſaß, ſprang auf, rang mit himmelwärts geho⸗ benen Armen die Hände und ſtieß einen fürchterlichen Schrei aus. Amadee glaubte, ſie habe Furcht, und ſuchte ſie zu beruhigen.
1 4


