Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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Sie antworteten nicht, Fräulein, und ich fürchtete ſchon, Ihr Muth ſei Ihrer ſchmerzlichen Aufgabe nicht gewachſen geweſen.

Mein Muth iſt Allem gewachſen, Herr Marquis, erwiederte ſie, den Kopf aufrichtend; denn dieſes ſeltſame

Mädchen brauchte bloß eine Sekunde, um ihre heftigſten

Eindrücke zu beherrſchen.

Dieſe Herren ſind Attaché's unſerer Geſandtſchaft in Muͤnchen; ſie kommen uns in dieſem ſchrecklichen Augen⸗ blick recht eigentlich vom Himmel zugeſchickt. Die Neugier führte ſie in's Schloß, das ſie leider unbewohnt zu finden glaubten. Meine Leute, die gewöhnt ſind, Beſuchern den Eintritt zu geſtatten, haben ſie glücklicherweiſe eingeführt. Sie werden uns mit ihren Rathſchlägen zu Hülfe kom⸗ men, hoffe ich.

Die beiden jungen Männer waren beſtürzt auf der blutigen Schwelle dieſes Leichengemachs ſtehen geblieben. Sie beantworteten weder die Worte des Marquis, noch die ermuthigende Begrüßung, die er an dieſelben richtete. Beide überlegten zu gleicher Zeit, ohne ſich jedoch ihre Gedanken mitzutheilen, daß ſie ſich in eine der ernſteſten Angelegenheiten einließen, deren ganze Perſönlichkeit auf ihnen laſten würde, daß ſie die Folgen davon zu verant⸗ worten hätten und ihre Vergnügungspartie ſie theuer zu ſtehen kommen könnte.

Sie ſehen dieſes furchtbare Schauſpiel, meine Herren, Sie begreifen, warum ich mich in mein Zimmer einge⸗ ſchloſſen hatte, und Sie werden die Hingebung von Fräu⸗ lein Orthez würdigen.

Einer der Attaché's, welcher Chriſtine am nächſten ſtand, hob den Brief der Marquiſe auf, der ihrer Hand entfallen war und auf dem Boden lag, wo er in dieſem Augenblick der Ueberraſchung von ihr vergeſſen wurde. Er ſtellte ihr denſelben ehrerbietig zu. Sie nahm ihn mit einer convulſtviſchen Bewegung und ward furchtbar blaß,