Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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üͤberwältigt; ſie hatte alſo Grund zu Befürchtungen? O, ich bin zu ſpät gekommen!

Chriſtine!...

Mein Herr, bleiben Sie aus meiner Nähe, reden Sie nicht mit mir in dieſem Zimmer, es iſt eine Heiligthums⸗ ſchändung. Ich bin nicht Ihr Richter, aber betrachten Sie mich nie als Ihre Mitſchuldige. Haſſen Sie mich, — ich Ihnen, ich weiß, welche Pflicht ich zu erfüllen abe.

Die Herrſchaft dieſes ſeltſamen Geſchöpfes über Herrn von Monza war ſo vollſtändig, daß er ſich nicht einmal zu vertheidigen ſuchte. Er trat bei Seite, um ſie durchzu⸗ laſſen, und wagte nicht, ihr zu folgen. Das Antlitz der Gouvernante zeigte in dieſem Augenblick einen bewun⸗ derungswürdigen Ausdruck von Schmerz und Mitleid. Nach⸗ dem einmal der erſte Augenblick vorüber war, verſchwand der Abſcheu und der Schrecken und ſie betrat den Ort, der Zeuge eines ſo großen Verbrechens war, gleich einem Hei⸗ ligthum. Sie erblickte den Leichnam, der immer noch an derſelben Stelle lag, von einer Blutlache umgeben und hell von der Sonne beſchienen war; ſie ſtand einige Schritte vor demſelben ſtill, faltete die Hände und bog langſam die Kniee.

Armes Opfer! ſagte ſie, heilige Märtyrerin! Gott iſt

mein Zeuge, daß ich Alles gethan habe, um Sie zu retten.

Beten Sie für mich; jetzt da Sie Alles wiſſen, können Sie mich nicht mehr haſſen.

Amadee faßte wieder Muth und zeigte ſich hinter dem jungen Mädchen. Sie hörte ihn.

Mörder, nahen Sie mir nicht; verlaſſen Sie dieſes Zimmer, damit ich die letzten Pflichten gegen ſie erfülle.

Chriſtine, ich habe ſie nicht getödtet, Sie irren ſich, Sie beſchuldigen mich ungerecht.

Sie haben ſie nicht getödtet? Warum liegt ſie denn hier blutig und leblos vor mir?