Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

44

Sie werden bei Ihrer Frau Mutter bleiben und bei ihr lernen.

Mama wird mich meine Leetion anfangen laſſen und dann, wie ſie es immer macht, bei der intereſſanteſten Stelle aufhören, um mich meines zerknitterten Rockes we⸗ gen zu ſchelten. Aber mein Vater wird mich ſpazieren führen, nicht wahr?

Ja, wenn Madame es erlaubt.

Nun wohl, verſetzte das Kind ſeufzend, ich werde alſo Ihre Rückkehr erwarten, da es ſo ſein muß.

32. In Paris.

Chriſtine reiſte ohne Mißtrauen und Unruhe ab, über⸗

zeugt, daß ſie eine Miſſion des Vertrauens erfülle und einen Theil des Vermögens ihres geliebten Zöglings zu retten gehe. Dieſe Hoffnung hauchte ihr neue Stärke ein, denn ſie ſah in Flavia zugleich ein zärtlich geliebtes Kind und ein Werkzeug ihrer eigenen Zukunft. Und dann hatte ſie auch an Herrn von Chamarante ſeit einigen Tagen eine Veränderung des Benehmens bemerkt, einen Ernſt, eine verhaltene Aufmerkſamkeit, was Alles ihr von guter Vorbedeutung erſchien. Sie fühlte ſich leichter, heiterer; ſie hoffte für immer von Ernſt befreit und glaubte endlich an der Einfahrt des Hafens angelangt zu ſein, von dem ſie ſo oft geträumt, den ſie ſo ſehr erſehnt hatte.

Sie kam um 6 Uhr in Paris an und begab ſich in das öde ſtehende Hotel von Monza, wo ſie keine Schwie⸗ rigkeit fand, ſich ihr Zimmer öffnen zu laſſen. Die Fa⸗ milie des Thürhüters bewohnte einen Pavillon neben der Einfahrtpforte; das Hotel ſelbſt, der innere Hof und der

Garten waren gänzlich einſam. Erhaben über alle Furcht,