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an, und wenn er ſie anhörte, ſo ſchuf ſeine eigene Eifer⸗ ſucht Ungeheuer, welche die Einbildungskraft der Mar⸗
quiſe in's Entſetzliche vergrößerte.
Ihren Mann ſah ſie nur noch bei den allgemeinen Zuſammenkünften. Ihre Tochter kam jeden Morgen auf einige Minuten zu ihr, dann aber den ganzen Tag nicht mehr. Eine Fremde in ihrem Hauſe, gab ſie keinen Be⸗ fehl und ihre Diener kannten ſie nur vom Sehen. Sie verbrachte ihre Zeit mit langen Spaziergängen am Ufer der Donau oder in den daſſelbe begrenzenden großen For⸗ ſten. Nach dem Frühſtück ging ſie aus mit einem Buche und ihrem kleinen Hund Trilby, dem einzigen Begleiter, welchen man ihr gelaſſen. Er lief vor ihr her und ſeine Freudebezeugungen, ſeine Sprünge boten ihr eine momentane Zerſtreuung. Heimgekehrt ſchrieb ſie an eine Phantaſie⸗ Schweſter und erzählte dieſer ihre Leiden, ihre Demüthi⸗ gungen, ihre Qualen. Sie ſchrieb auch Antworten und Einwürfe, um dieſelben wieder zu beantworten. Oft, wenn die Nacht kam, machte es ihr ein grauenhaftes Vergnügen, ihr Zimmer mit Phantomen zu bevölkern. Sie wohnte dem Kampf zwiſchen Rudolph und Irene bei, ſie ſah das Blut wieder fließen, ſie ſah das Opfer fallen, ſie ſah die Kaſtellanin wie eine geſpenſterhafte Schildwache an der Thüre der Gallerie ſtehen und auf den Tod ihrer Neben⸗ buhlerin lauern, um ſich darüber zu freuen, auf den Tod einer Nebenbuhlerin, welche ihr die Liebe des Barons ge⸗ ſtohlen hatte. Dabei lieh ſie der unglücklichen Irene ſtets ihre eigenen Züge oder die von Sophie Hervé, während der Ritter die Geſtalt ihres Mannes und die Kaſtellanin die Geſtalt von Fräulein Orthez annahm. Dann miſchte ſich auch der Graf Ernſt mitten unter dieſe Geſtalten, ohne daß ſie einen Grund hiefür hätte angeben können. Dieſe Träumereien wurden zu einer dem Wahnſinn nahe verwandten Hallncination. Die Marquiſe glaubte an die Weſenheit dieſer täglichen Erſcheinungen und machte die⸗ ſelben zu einem Hauptgegenſtand ihrer Correſpondenz.


