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30. Die Liebe, welche tödtet.
Der gegenſeitige Beobachtungskrieg zog ſich immer enger und enger um unſere vier Perſonen zuſammen und Chriſtine, der Angelpunkt aller Gedanken, mußte alle Kraft ihres Charakters aufbieten, um dem Sturme, welcher in der Ferne grollte, die Stirne zu bieten. Beatrir wagte es nicht, ihr die Entfremdung zu zeigen, welche ſie nicht mehr zu bekämpfen verſuchte. Robert wurde von dem jungen Mäd⸗ chen in gehöriger Entfernung gehalten und näherte ſich ihr nur bei Tiſche. Während des Reſtes des Tages hatte der Marquis das ihm ſchlechterdings nicht zu entziehende Pri⸗ vilegium, zu jeder Stunde das Zimmer ſeiner Tochter zu betreten, ihren Lectionen beizuwohnen und ſich nach Ge⸗ fallen an dem gefährlichen Gift zu berauſchen, welches er zu ſeinem Unglück einathmete.
Bis jetzt hatte in ſeinem Betragen oder ſeinen Wor⸗ ten noch Nichts die Empfindlichkeit der Gouvernante ver⸗ letzt. Zwar ſeine Blicke verriethen ihn, allein ſie wich den⸗ ſelben aus und wußte ſie ohne Ziererei zu vermeiden.
Herr von Chamarante und Amadee wußten jetzt, daß ihre Leidenſchaft auf einen und denſelben Gegenſtand ge⸗ richtet ſei. Dieſe Leidenſchaft wurde bei Beiden durch die Eiferſucht und durch Chriſtine's Ernſt noch mehr ange⸗ facht. Es mußte in Folge deſſen nothwendig eine gewiſſe Verſtimmung zwiſchen ihnen eintreten, welche die Mar⸗ quiſe und Fräulein Orthez ſehr gut wahrnahmen und deren Ausbrüchen ſie nach Kräften zuvorzukommen ſuchten.
Die arme Beatrir führte das ſchrecklichſte Leben, das man ſich denken kann. Immer allein in einem Gemach, deſſen Traditionen und Vorzeichen ihr unausgeſetzt wieder zu Sinn kamen, beſaß ſie keinen Freund, welchem ſie ſich hätte vertrauen können, denn ihr Vetter hörte ſie kaum


