Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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entdeckt man neue Empfindungen. Man begreift in einem Alter, was man in einem andern nicht begriff. Die Lei⸗

denſchaft! das iſt der große Sinn ſo mancher Räthſel,

das iſt die richtig aufgefundene Erklärung ſo mancher ſchein⸗ bar unerkläclichen Handlungen. Oft zeigt ſich mitten in einem ruhigen Leben eines jener Meteore, welche es durch⸗ kreuzen und zerſtören, oft entſteht in unſerem Herzen ein unbekanntes Gefühl, ein Beherrſcher, dem Alles weicht. Die unerwartete Gegenwart einer gewiſſen Perſon, ein Zwiſchenfall ein Nichts können Ereigniſſe und Verbrechen herbeiführen, wo man bis dahin nur Ruhe und friedliche Tugenden ge⸗ funden hatte. O ja, es gibt ſeltſame Geheimniſſe im Leben.

Dieſe mit ungewohnter Wärme von dem Marquis geſvrochenen Worte machten einen verſchiedenen Eindruck auf die, welche ſie hörten. Beatrix fühlte ſich beklommen, wie beim Nahen eines Unglücks; Chriſtine ſagte ſich:

Ich werde viel Mühe haben, dieſen Mann im Zaum zu halten; ich fürchte eine ſchreckliche Leidenſchaft bei ihm erweckt zu haben.

Robert aber durchzuckte zum erſtenmal ein Verdacht.

Was bedeutet das? dachte er. Sollte er Chriſtine lieben? Wären meine arme Baſe und ich zu einem ſolchen Schimpf beſtimmt? O nein, nein. Oder wenn er ſie liebt, ſo ſoll ſie ihn nicht lieben, ſie! Und müßte ich ſie tödten, wie Rudolph Irene getödtet hat.

Und der Graf begriff nicht, daß man eine Frau töd⸗ ten könne! Inconſequenz des Herzens!