Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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immer trunkener ward, je weher er that. Sie klammerte ſich an alle Draperien an, verbarg ſich hinter den Thüren, hinter den Truhen, aber auch dort ſuchte er ſie unerbittlich und traf ſie von Neuem. Es war eine furchtbare Todes⸗ qual, eine jener Scenen, die man unmöglich beſchreiben oder darſtellen, mit der ſich die Einbildungskraft nicht ver⸗ traut machen kann, eine jener heilloſen Scenen, deren ein Jahrhundert kaum ein Beiſpiel aufzuweiſen hat.

Rudolph ſtieß nach ihr, bis das Opfer erſchöpft am Fenſter niederfiel. Dieſes Zimmer ſo voller Erinnerungen, ſo ſorgfältig ausgeſchmückt, war nur noch ein blutiges Grab; allenthalben rann Blut, der Baron war mit Blut bedeckt. Vernichtet richtete er die Augen nach der Thüre und erblickte ſeine Frau auf der Schwelle.

Sie verneigte ſich gemeſſen vor ihm und ſagte:

Der Prieſter iſt in der Donau, die Maitreſſe hat ihre Strafe empfangen. Ihr ſeid ein tapferer und edler Ritter, Ihr wißt den Euch angethanen Schimpf zu rächen und mein Sohn wird einen edeln Vater haben.

Allein der Anfall von Wuth und Wahnſinn, dem ſich Rudolf überlaſſen hatte, legte ſich allmaälig und er ſah ſein Verbrechen in ſeiner ganzen Abſcheulichkeit vor ſich. Er ſah die Furie vor ſich, welche die erſte Urſache dieſes furchtbaren Verbrechens war; er ſah ſie in dieſem entſetz⸗ lichen Augenblick ruhig und beinahe lächelnd und erkannte jetzt, welche Gefährtin er ſich erkoren habe. Seine Augen ſielen auf das unglückliche, ſo barbariſch ermordete Mäd⸗ chen, und das Ende der wehenden Seidenſchnur, welche der Wind ihm in's Geſicht trieb; er fühlte, daß ſein Herz zu zerſpringen drohe, Gewiſſensbiſſe vernichteten ihn; er ſank auf die Kniee, zerfloß in Thränen und rief:

Mein Gott, verzeih, verzeih mir, denn ich bin ein Ungeheuer. Haſt Du eine Verzeihung für mich, der ich eine ſo feige, ſo verrätheriſche, ſo ſchändliche Handlung

begangen habe? Und Du, meine Irene, Du meine Heiß⸗

geliebte, Du, die mich ſo zärtlich geliebt hat und mich