Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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Er drückte ſeine Klinge ein wenig in des Mädchens Bruſt; Irene ſtieß einen Angſtſchrei aus.

Hal geh doch!

Wüthend vor Verzweiflung, ſprach der Mann einen furchtbaren Racheſchwur aus, ſandte ſeiner Geliebten ein letztes Lebewohl zu und verſchwand. Nach einigen Se⸗ kunden zog Rudolf ſeine Waffe der zitternden Irene aus der Bruſt, hob ſie auf, ſchüttelte ſie mit ſeinen beiden Bahdtn und ſagte mit vor Wuth gedämpfter Stimme zu ihr:

Irene, Du haſt mich verrathen, Du haſt dieſen Mann geliebt, Du haſt geduldet, daß dieſer Mann unſer Heilig⸗ thum befleckte; Du wirſt ihn nie wieder ſehen; er wird den Tod finden, wo er das Glück fand. Fur ihn iſt Alles zu Ende.

Und dem Fenſter zuſtürzend, ſchnitt er mit ſeiner Damascenerklinge die ſchwache über dem Abgrund hän⸗ gende Schnur ab. Ein wiederholter Schrei ließ ſich ver⸗ nehmen, dann das Geräuſch eines auf die Felſen prallen⸗ den Körpers, dann Nichts mehr. Irene ward ohnmächtig.

Gertrud war ihrem Manne gefolgt und horchte an der Thüre; ſie ahnte, daß die Haͤlfte der Rache erfüllt ſei; allein noch blieb das Schwerſte zu thun und deßhalb ſtrengte ſie ihre ganze Aufmerkſamkeit an.

Rudolph kehrte zu der auf dem Boden ausgeſtreckten Irene zurück und trug ſie auf ihr Bett. Stumm und kalt und ſo blaß wie ihr Gewand, betrachtete er ſie einen Augenblick.

Wenn ich Dich auch tödtete! ſagte er bei ſich. Doch nein, ſie wuͤrde es nicht fühlen und überdies iſt es zu füüh. Dieſes Weib, das ich ſo ſehr geliebt, das einzige, das ich auf Erden wirklich geliebt habe, dieſes Weib, das ich noch liebe, iſt alſo durch eine andere Liebe befleckt! Ich muß ſie tödten! ich muß dieſe bewunderungswürdige

Schönheit zerſtören, muß dieſe Blicke auslöſchen, den

Schlägen dieſes Herzens, die nicht mehr mir gehören,