₰—ᷣ AN N
15
Glaubt Ihr, ich verſtehe mich nur an Frauen zu rächen? Ich würde ihn auf den Kampfplatz rufen und Einer von uns bliebe.
Einen Ritter wohl, aber... aber einen Mönch, zum Beiſpiel.
O, einen Mönch!... für den wäre die Donau da!... 3
Trefflich geantwortet, Rudolf, Ihr ſeid ein tapferer und edler Baron, Ihr wißt angethane Beſchimpfungen zu rächen und mein Sohn wird einen edeln Vater haben⸗ Gehen wir noch einen Augenblick in unſer Zimmer! Wollt Ihr noch bei mir bleiben, bis ich zu Bette bin, bevor Ihr an Euere Beſchwörungen geht?
Sie zog ihn immer lächelnd mit ſich fort; er folgte ihr ſo zerſtrent, daß ſie ihrer Nebenbuhlerin einen Haß ohne Gnade und Barmherzigkeit ſchwor und ſich vornahm, ſie die Augenblicke der Liebe, welche dieſe ihr raubte, theuer bezahlen zu laſſen. Ein wenig vor Mitternacht verließ er ſie; es war die zur Beobachtung des Planeten günſtige Stunde, er durfte ſie nicht vorbeigehen laſſen. Gertrud wünſchte ihm vollkommenes Gelingen und er entfernte ſich glücklich.
In eben dieſem Augenblicke hielten ſich Günther und Irene, die ſeit einigen Minuten vereint waren, beim Fenſter feſt umſchlungen, ſprachen von ihrem lieben Vor⸗ haben und bildeten Pläne für die Zukunft. Sie empfan⸗ den nicht die geringſte Furcht; überzeugt, daß ſie nicht geſtört würden, trafen ſie keine Vorſichtsmaßregeln gegen Ueberläſtige.
Rudolf fand die Thüre offen, drang in das erſte Gemach und hörte dort im Augenblick ſeines Eintretens zwei Stimmen, gewahrte im Mondſchein zwei vereinte Schatten. Er glaubte von einem Traume geneckt zu wer⸗ den und blieb unbeweglich ſtehen. Da drangen einige Worte zu ihm, einige jener ſüßen Ausdrücke der griechiſchen Sprache, welchen Irene ſo viel Anmuth zu verleihen


