Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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ſprach ihm Nichts; ſie wußte noch nicht, ob ſie ihn liebte. Sie fand ihn ſchön, ſie fand ihn hingebungsvoll und zärt⸗ lich, allein die Erinnerung an Rudolf kämpfte mit dieſem neuen Gefühle, und vor allen Dingen gebot das Verlangen nach Rache der Hoffnung in ihr und dem Bedürfniß einer andern Zukunft Schweigen.

Durch Günther's Bitten, vielleicht durch ihre eigene Neigung beſiegt, verſprach ſie ihm ein geneigtes Gehör, ihn zu lieben, ihm anzugehören, wenn er ſie an dem Treu⸗ loſen räche. Eine neue Hermione neben einem andern Oreſtes, verlangte ſie Blut als Pfand ſeiner Treue. Der Novize fürchtete und ſcheute Nichts; allein vor Blut ſchau⸗ derte er zurück und der Schimpf, über den ſich Irene be⸗ klagte, erſchien ihm nicht ſo ſtrafbar, weil er dieſem

Schimpf ſein Glück verdankte.

Er fand Anfangs Vorwände, um die Sache aufzu⸗ ſchieben; die junge Griechin nahm dieſelben an. Er be⸗ gann ihr allmälig das Gehäſſige eines ſolchen Verbrechens vorzuſtellen, dann brachte er ſie zu dem Eingeſtändniß, daß dieſe Rache nicht mehr ſo ſüß wäre, weil der Zorn, welcher dieſelbe herausgefordert hatte, mit jedem Tage ſchwächer ward. Später geſtand ſie, daß ſie bei dem Tauſche nicht verliere, und gelangte endlich dazu, ſich ſo glücklich zu fühlen, daß ſie Alles fürchtete, was einen Strich durch ihre Freuden machen konnte, und von ſelbſt ihren Geliebten bat, Alles zu vergeſſen.

Als Günther endlich am Ziele ſeiner Wünſche an⸗ gelangt war, dachte er nur noch daran, ſich die Dauer dieſes an ſo gebrechliche Grundlagen geknüpften Bandes zu ſichern. Der zur Ablegung ſeines Gelübdes beſtimmte Zeitpunkt nahte heran; ſeine Familie, welche über die weltlichen Neigungen, welche man ſeit einiger Zeit an ihm bemerkte, etwas erſchrocken war, drang in ihn, ſich zu entſchließen. Andererſeits konnte Irene nicht ewig ſo in dem Thürmchen eingeſperrt und in der Gewalt Nudolf's bleiben, welcher, obwohl er ſie ganz verlaſſen hatte, ſie