Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
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Klagen zu. Da hörte ſie unter ſich eine Stimme, die ihr antwortete. Anfangs fürchtete ſie ſich und zog ſich zurück; allein die Stimme ſprach ihre Mutterſprache, wenn auch nicht vollkommen, doch wenigſtens hinlänglich, um ſich verſtändlich zu machen. Es war eine zarte, milde, troſtvolle Stimme; ſie bot ihr einen Freund, einen Be⸗ ſchützer, eine Hoffnung an; ſie zeigte ihr die Zukunft, die Freiheit. Irene horchte, dann antwortete, endlich frug ſie. Zuerſt erfuhr ſie den Namen deſſen, der mit ihr ſprach; ſie erfuhr, daß er, von gelehrten Mönchen erzogen, die orientaliſchen Sprachen erlernt habe, wie es in jenem Jahr⸗ hundert üblich war, wo der Kreuzzüge und des griechiſchen Reiches wegen die Reiſen und Verbindungen zwiſchen den beiden Völkern häufig waren. Sie verlangte dann etwas

Naäheres über Rudolf zu erfahren und drang in Günther,

welcher ſtumm blieb, da die Befürchtung, die zu betrü⸗ ben, welche er ſo gerne glücklich gemacht hätte, ihm den Mund ſchloß. Sie drang immer mehr in ihn und er geſtand Alles, indem er Irene bat, ſich nicht der Ver⸗ zweiflung zu überlaſſen, ſondern der Vorſehung und der Zeit zu vertrauen. Irene antwortete nur mit dem Worte:

Rache!

Nach mehreren ſolchen Zuſammenkünften kannte die Gefangene ihren fremden Freund bereits, gewöhnte ſich an ſeine Beſuche und erwartete ſie mit Ungeduld. Er ſprach noch nicht von Liebe, aber Alles in ihm athmete eine ſo wahre, ſo glühende, ſo hingebungsvolle Leidenſchaft, daß die junge Griechin ihn bald beſſer verſtand, als er ſich ſelbſt verſtand. Ihre Unterhaltungen fanden nur Nachts ſtatt; bei Tage ſchauten ſie ſich bloß an und unterhielten ſich aus Furcht vor Entdeckung durch Zeichen.

Von dem Augenblick an, wo Irene Rudolf's Verrath erfuhr, ſuchte ſie nur nach einem Mittel, dem jungen Novizen Zutritt zu ihr zu verſchaffen, ihm ihre Gedanken, ihre Abſichten mitzutheilen und ihn zu vermö⸗ gen, daß er der Mitſchuldige und Vollſtrecker derſelben