Teil eines Werkes 
5. - 7. Bdchn (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

Eroberung von Conſtantinopel zurückgebracht; er entriß ſie mit eigener Hand einem zu ihrer Vertheidigung herbei⸗ geeilten Haufen, nachdem der, welcher ſie trug, gefallen war, und erhielt vom Kaiſer die Erlaubniß, das Schloß ſeiner Väter damit zu ſchmücken. Dieſe Fahne war nicht ſeine einzige Beute und beſonders nicht ſeine koſtbarſte, trotz ihrem Werthe. Rudolf von Fuchsberg, ein ſchöner, tapferer junger Mann, brachte eine griechiſche Sklavin von größter Schönheit, Namens Irene, mit zurück; er wurde von ihr geliebt und liebte ſie mit beiſpielloſer Raſerei. Auf der ganzen Reiſe bewachte er ſie, ohne daß er Jemand erlaubte, ihr zu nahen, und als er endlich hier angekom⸗ men war, ließ er eigens dieſen Thurm hier erbauen und gab ihm den Namen Irene, um dieſen ihm ſo theuren Namen auf ſeinen fernſten Stamm fortzupflanzen.

Dieſe, wie Sie ſehen, von allen Seiten unzugängliche Wohnung ſchien ihm ein ſicherer und zur Aufbewahrung ſeines Schatzes würdiger Ort. Man gelangte nur durch ſein eigenes Zimmer und die damit verbundene Gallerie hin; er glaubte ſich daher ganz ſicher und überließ ſich ohne Beſorgniß dem Vergnügen der Jagd, obwohl es ihn von ſeiner Geliebten entfernte. Eiferſüchtig, wie alle recht⸗ verliebten Leute, nahm er beim Fortgehen den Schlüſſel ihrer Wohnung mit ſich und ließ der ſchönen Gefangenen das Necht, ſeinem luſtigen Zuge mit den Augen zu folgen, was ſie auch getreulich that, wie die Sage berichtet; denn ſie hatte ſonſt durchaus Nichts zu thun.

Sie ſpielte die Laute meiſterhaft und ſetzte ſich oft auf dieſen ſteinernen Söller, um die Weiſen ihres Landes zu fingen. Dieſer kalte Himmel ſchien ihr ein blaſſes Abbild ihres glühenden Himmels und die glanzloſen Geſtirne ein matter Widerſchein ihrer diamantenen Sterne. Ihr ſchönes Haupt zurückwerfend, ſandte ſie den Echo's des Fluſſes unbekannte Töne und Worte zu. Die Bauern bekreuzigten

ſich bei ihrem Anblick, ſie hielten ſie für eine Zauberin, 1 13