dem kleinen Zimmer ein anziehendes Ausſehen. Harry zog einen Lehnſtuhl ans Fenſter, warf ſich hinein und blickte hinaus. Mabel nahm an dem Fenſter Platz und ließ die Füße auf einem kleinen Balkon draußen ruhen. Der Mond fing jetzt an über dem kleinen Park aufzugehen und die Bäume warfen lange Schatten. Es war ein lieblicher Anblick, den dieſer Juni⸗Abend ſelbſt in der Stadt bot. Er erinnerte Mabel an ähnliche Abende bei ihrer Groß⸗ mutter oder bei Mrs. Herbert, wo ſie und Harry ſtunden⸗ lang im Mondſchein vor der Hausthür geſeſſen hatten. Sie wagte eine Andeutung auf dieſe längſt vergangenen Tage fallen zu laſſen und Harry hörte ohne Ungeduld ihren Erinnerungen zu und rief ſogar Vorfälle aus ihrer Kindheit zurück, die ihrem Gedächtniß ganz entſchwunden waren.
Voll ſchüchterner Freude über den Erfolg, der ihre Bemühungen begleitete, ſparte Mabel keine Mühe, ihm den Abend angenehm zu machen. Sie ließ den Thee herauf kommen, anſtatt ihn unten im Speiſezimmer zu trinken, und befahl Robert, die Alabaſterlampe anzuzünden, welche ein kaum weniger mildes und angenehmes Licht in dem Zimmer verbreitete, als der Mond draußen in der Land⸗ ſchaft.
Dann und wann ſtand Harry auf und ging unruhig im Zimmer auf und ab, wie im Begriff, ſie zu verlaſſen; dann ſchien ihm wieder der Gedanke zu kommen, daß ſie ſich einſam, vielleicht beängſtigt fühlen würde, denn es war ungewöhnlich laut auf der Straße und er ſetzte ſich wieder und ſo verging der Abend. Allerdings konnte es Mabel nicht verborgen bleiben, daß er ungern dablieb, aber es war kein geringer Triumph für ſie, daß er überhaupt ge⸗ blieben war, und es war ihr eine unausſprechliche Be⸗ friedigung, ihm gute Nacht zu ſagen und ihn wie den Harry von ehemals in ſein Zimmer hinaufgehen zu ſehen.
Mabel Vaughan I. 21


